Sepsis, oft auch Blutvergiftung genannt, ist die häufigste Todesursache bei Infektionen – und das trotz aller Fortschritte der modernen Medizin wie Impfungen, Antibiotika und Intensivmedizin. Dabei ist eine Sepsis keine Vergiftung im herkömmlichen Sinne, sondern entsteht, wenn die körpereigene Abwehrreaktion gegen eine Infektion das eigene Gewebe und die eigenen Organe schädigt. Eine Sepsis kann zu Schock, Multiorganversagen und Tod führen, vor allem wenn die Symptome nicht früh genug erkannt und sofort behandelt werden.

Sepsis ist ein Notfall!

Das Wichtigste über Sepsis in 3 Minuten

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Ursachen und Verlauf

Ursachen und Verlauf einer Sepsis

Entgegen weit verbreiteter Meinung entsteht eine Sepsis nicht immer durch eine äußerlich sichtbare, entzündete (infizierte) Wunde. Ursache ist aber immer eine Infektion. Diese kann auch im Körper stattfinden, wie bei einer Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder einem Harnwegsinfekt. Solche Infektionen werden durch Bakterien oder Viren hervorgerufen. Seltener können auch Pilze und Parasiten eine Infektion auslösen, die in einer Sepsis münden kann.

Entstehung einer Sepsis

Wenn Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten eine lokale Infektion verursachen, gelingt es unserem Immunsystem im Normalfall, diese am Entzündungsherd direkt zu einzudämmen. Die Infektion nimmt ihren normalen Verlauf.

Bei einer Sepsis gelingt es den Erregern jedoch, diese lokale Begrenzung zu durchbrechen. Sie breiten sich über Lymph- und Blutgefäßsystem auf andere Organe aus. Das Immunsystem registriert die große Menge an Bakterien im Blut und überschwemmt den Körper mit Botenstoffen zur Immunantwort – das Immunsystem wird überaktiviert. Damit werden aber nicht nur die Erreger, sondern auch körpereigene Zellen und Organe angegriffen. Wird nun nicht schnell ein passendes Antibiotikum gegeben, entwickelt sich ein septischer Schock, bei dem die Blutversorgung lebenswichtiger Organe ausfällt und diese ihre Funktion einstellen.


Diagnose, Behandlung und Sterblichkeit

Diagnose, Behandlung & Sterblichkeit bei Sepsis

Bei Verdacht auf eine Sepsis ist sofortige ärztliche Hilfe notwendig. Eine Sepsis muss immer im Krankenhaus, in schwereren Fällen auch auf der Intensivstation, behandelt werden. Bei der Aufnahme wird zunächst Blut abgenommen, um den auslösenden Erreger zu bestimmen. Weitere Blutwerte geben Auskunft über die Funktionsfähigkeit lebenswichtiger Organe und des Herz-Kreislauf-Systems. Da die Bestimmung der Erreger aus dem Blut mehrere Tage dauern kann, wird sofort ein Breitbandantibiotikum intravenös verabreicht. Um den Kreislauf zu stabilisieren, wird außerdem Flüssigkeit gegeben. Die Sauerstoffsättigung des Blutes wird gemessen und ggf. Sauerstoff über eine Nasensonde gegeben. Sollte der Blutdruck zu stark absinken, werden Medikamente zur Stabilisierung gegeben.

Jede Stunde zählt: Sepsis ist ein medizinischer Notfall

Ein Drittel bis die Hälfte aller Patienten stirbt an der Sepsis. Das sind allein in Deutschland circa 70.000 Menschen pro Jahr. Damit ist Sepsis die dritthäufigste Todesursache in Deutschland nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Die Erkrankung an einer Sepsis ist kritisch, aber nicht aussichtslos. Die zügige Einleitung der genannten Behandlungsmaßnahmen kann das Risiko zu versterben halbieren. Eine frühe Sepsis-Behandlung erhöht die Überlebenschancen und vermindert Sepsisfolgen.


Symptome

Symptome einer Sepsis

Die typischen Sepsis-Symptome sind sehr unspezifisch. Dadurch wird eine Sepsis von Patienten und auch von Medizinern oft mit einer Erkältung oder Grippe verwechselt. So geht bis zur richtigen Diagnose viel Zeit verloren. Sepsis ist jedoch ein Notfall, bei dem jede Stunde für das Überleben zählt!

Warnzeichen, auf die Sie achten sollten, sind:

  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • starke Schmerzen
  • extremes Krankheitsgefühl
  • Verwirrtheit
  • schnelle Atmung
  • fleckige Haut an Armen / Beinen

Wenn zudem Anzeichen einer Infektion (z.B. der Haut, der Lunge, der Harnwege) vorliegen, sollte man an Sepsis denken und sofort medizinische Hilfe suchen. Sepsis ist ein Notfall!

Der bekannte rote Strich auf dem Arm ist übrigens kein notwendiges Anzeichen einer Sepsis. Er zeigt die Entzündung einer Lymphbahn an, die zu einer Sepsis führen kann. Er muss aber nicht zwingend bei einer Sepsis auftreten. Ganz im Gegenteil: Die meisten Sepsis-Patienten zeigen dieses Symptom nicht.


Prävention

Wie man sich vor Sepsis schützt – Prävention

Sepsis ist die schwerste Komplikation einer Infektion. Vor einer Sepsis kann man sich nicht direkt schützen, aber vor einer Infektion. Folgende Maßnahmen können dabei helfen, Infektionen vorzubeugen – und damit auch das Risiko für das Auftreten einer Sepsis zu senken:

  • Hygienemaßnahmen, insbesondere das regelmäßige und gründliche Waschen der Hände
  • sorgfältiger Umgang mit Wunden und entzündeten Insektenstichen
  • Aufmerksamkeit und ggf. ärztliche Behandlung bei Infektionen
  • die korrekte Einnahme der vom Arzt verordneten Antibiotika
  • konsequente Behandlung von chronischen Krankheiten (z.B. Diabetes)
  • gesunde Lebensweise
  • Impfungen entsprechend der Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO)

Insektenstiche

Sepsis bei Insektenstichen

Häufig taucht die Frage auf, ob Stiche von Mücken, Bienen und Wespen zu einer Sepsis führen können. Grundsätzlich löst der Insektenstich selbst keine Sepsis aus. Allerdings können Keime in den Körper gelangen, entweder direkt beim Stich durch das Insekt selbst oder wenn die Einstichstelle beispielsweise durch Kratzen gereizt wird.

Eine Rötung und Schwellung der Einstichstelle deutet auf eine lokale Infektion hin und ist – sofern keine Allergien vorliegen – kein Grund zur Sorge. Wenn Sie jedoch folgende Symptome beobachten, sollten Sie schnell einen Arzt aufsuchen:

  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • starke Schmerzen
  • extremes Krankheitsgefühl
  • Verwirrtheit
  • schnelle Atmung
  • fleckige Haut an Armen / Beinen
Weitere Informationen

Für Medizinisches Fachpersonal

Sepsis verursacht großes Leid für Betroffene – und erhebliche Kosten im deutschen Gesundheitssystem

Sepsis ist die schwerste Komplikation einer Infektion und entsteht, wenn die körpereigene Abwehrreaktion gegen die eigenen Gewebe und Organe schädigt. Die Zahl der Sepsisfälle und der durch Sepsis bedingten Krankheitslast wurde in Deutschland im Rahmen des Internationalen Krankheitsklassifikation-Systems (ICD) durch Unterkodierung lange Zeit erheblich unterschätzt. Seit 2007 stieg die Zahl der Sepsisfälle auf der Basis der im ICD-System festgelegten Sepsiskodierungen kontinuierlich an. Im Jahr 2013 waren es 252.000 Fälle. Bei einem Anstieg der Krankenhaussterblichkeit von 28,6 Prozent auf 30,2 Prozent in diesem Zeitraum bedeutet dies für 2013 allein 77.174 Todesfälle. Für das Jahr 2013 führten diese Zahlen zu geschätzten Behandlungskosten von 7,7 bis 9,2 Milliarden Euro.

Maßnahmen zur Reduzierung der sepsisbedingten Krankheitslast

  • Impfungen. Da sich Sepsis aus sich nahezu jeder akuten Infektion entwickeln kann, lassen sich durch Impfungen von Risikopopulationen gegen Influenza, Pneumokokken, Hämophilus Influenza und Meningokokken jährlich tausende Sepsistodesfälle verhindern.
  • Hygiene. Durch die strikte Einhaltung von Hygienemaßnahmen sind in deutschen Krankenhäusern jährlich ca. 1.500 bis 4.500 Sepsistodesfälle vermeidbar.
  • Früherkennung und -behandlung. Die Sepsisdiagnose wird derzeit häufig verzögert gestellt. Durch Frühdiagnose und -therapie lässt sich die Sepsissterblichkeit um etwa die Hälfte senken.

Sepsis erkennen und als Notfall behandeln

Poster Sepsis erkennen - Leben rettenKitteltaschenkarten Sepsis erkennen - Leben rettenDamit Sepsis frühzeitig erkannt und behandelt werden kann, haben wir Poster und Kitteltaschenkarten entwickelt. In den drei Abschnitten „Sepsis vermuten“, „Sepsis erkennen“ und „Sepsis als Notfall behandeln“ werden Risikogruppen, Symptome, Diagnostik und Behandlung übersichtlich dargestellt.

 

Nationaler Sepsisplan

Wir fordern die Initiierung eines Nationalen Aktionsplans gegen Sepsis mit folgenden Schwerpunkten:

  • bessere Aufklärung von Laien und medizinischem Fachpersonal über Vorbeugung und Früherkennung von Sepsis
  • Einführung von Qualitätsverbesserungsoffensiven in Gesundheitseinrichtungen
  • Veröffentlichung der Sepsishäufigkeit und -sterblichkeit
  • geeignete Rehabilitations- und Behandlungsangebote für Menschen mit Sepsisfolgen

Das Memorandum für einen Nationalen Aktionsplan gegen Sepsis wird u. a. von den Ärztekammern Berlin, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Thüringen und Westfalen-Lippe, dem Ärztlichen Kreis- und Bezirksverband München sowie von 14 wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften unterstützt (Liste der Unterzeichner).

Deutsche Sepsis Gesellschaft

Wenn Sie selbst mit Sepsis-Patienten arbeiten, erhalten Sie über die Deutsche Sepsis Gesellschaft e. V. Zugang zu relevanten Informationen.

Die Deutsche Sepsis Gesellschaft (DSG) ist eine wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlich-Medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) mit Geschäftsstelle in Jena. Die DSG will das Verständnis für das Krankheitsbild Sepsis sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der medizinischen Fachwelt unter strikten wissenschaftlichen Kriterien weiterbilden und schärfen. Dazu wurden 2010 die S-2K-Leitlinien zur Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Sepsis publiziert, die sich gegenwärtig im Revisionsprozess befinden. Die DSG organisiert Fortbildungsveranstaltungen sowie einen alle zwei Jahre stattfindenden internationalen, wissenschaftlichen Kongress (Weimar Sepsis Update) und unterstützt beratend Forschungsvorhaben zur Sepsis.

Deutsche Sepsis-Hilfe

Die Deutsche Sepsis-Hilfe e.V. ist eine Betroffeneninitiative, bei der von Sepsis Betroffene, deren Angehörige und Hinterbliebene Hilfe und Ansprechpartner finden. So gibt es beispielsweise ein Info-Telefon von Betroffenen für Betroffene sowie regelmäßige Treffen der Regionalgruppen.


Informationsmaterialien und Links
Sepsis in den Medien

Sepsis in den Medien – Auswahl

10.10.2019: Dr. Antje Erler von der Sepsis-Stiftung klärt in einem Interview in der MDR-Servicestunde über die Symptome und Behandlung einer Sepsis auf.

16.09.2019: Ein Artikel in der FAZ berichtet über die Erfolge des Sepsisdialogs in Greifswald und warum Deutschland eine nationale Sepsis-Strategie braucht.

13.09.2019: In der Sendung nano von 3sat wird erklärt, wie mithilfe eines neuen Chips Sepsis früher erkannt und das Leben vieler Sepsis-Patienten gerettet werden könnte.

13.09.2019: Das Aktionsbündnis Patientensicherheit macht sich für einen Nationalen Sepsisplan stark: Die Ärztezeitung berichtet über die Veranstaltung am 12.09.2019 in Berlin.

28.08.2019: Focus online stellt wichtige Fakten zu Sepsis in Deutschland zusammen und erläutert, warum Sepsis hierzulande häufiger als in anderen Ländern tödlich endet.

03.08.2019: Bei Spiegel Online erscheint ein sehr interessanter Bericht über Sepsis und warum sie auch von Ärzten oft nicht erkannt wird.

19.07.2019: Das Südthüringer Regionalfernsehen berichtet in seinem Gesundheitsforum Hippokrates über Diagnostik und Behandlung von Sepsis.

14.05.2019: Focus online berichtet über den Erfolg der Forscher des Leibnitz IPHT in Jena: Sie haben eine neue Diagnose-Methode für Sepsis entwickelt.

30.03.2019: Das Wochenblatt Bruchsal berichtet über Sepsisaufklärung am Leibnitz-Gymnasium Östringen.

16.03.2019: Der WDR berichtet über die Sepsissterblichkeit in deutschen Krankenhäusern: jede dritte Sepsis endet tödlich.

07.03.2019: Der Hessische Rundfunk klärt in service: gesundheit über Sepsis auf.

26.02.2019: Inforadio rbb berichtet über die Gefahren und Symptome von Sepsis.

21.01.2019: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung berichtet über das Jenaer Zentrum für Innovationskompetenz SEPTOMICS. Die Wissenschaftler dort suchen nach wirksameren Therapiemöglichkeiten bei Sepsis.

03.01.2019: Die ARD berichtet in Planet Wissen ausführlich über Sepsis. Zu Gast ist u.a. Prof. Konrad Reinhart.

16.10.2018: Der NDR berichtet über Ursachen, Risikogruppen und Symptome von Sepsis.

25.09.2018: Sat.1 NRW berichtet über den 15-jährigen Lukas, der an Sepsis starb.

11.09.2018: Das Ärzteblatt berichtet über das Drängen auf einen Nationalen Sepsisplan von Sepsis-Stiftung und Aktionsbündnis Patientensicherheit.


FAQ

Antworten auf die häufigsten Fragen zu Sepsis

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zur Sepsis sowie zu Symptomen, Behandlung, Risiken und Folgen. Wählen Sie dazu einfach den Reiter zum gewünschten Thema aus.

Sie finden Ihre Frage nicht in der Liste? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf: per E-Mail an office@sepsis-stiftung.de oder telefonisch (03641 9323138). Wir werden Ihre Frage schnellstmöglich beantworten.

Allgemeine Fragen zur Sepsis

Was ist Sepsis (auch Blutvergiftung genannt)?

Sepsis entsteht durch eine überschießende Reaktion des Körpers
auf eine Infektion, die zur Schädigung und Zerstörung von
körpereigenen Organen und Geweben führt. Anstelle einer lokalen Entzündung breitet sich die Abwehrreaktion im ganzen Körper aus. Sepsis ist weltweit die häufigste Todesursache bei Infektionen.

Warum ist Sepsis so gefährlich?

Die Reaktion des Körpers auf die Entzündung führt zum Zusammenbruch des Blutkreislaufs und zum Abfall des Blutdrucks. Das beeinträchtigt die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff. Dadurch werden Organe wie Lunge, Herz, Niere oder Gehirn in Mitleidenschaft gezogen. Es kann zum Schock, Multiorganversagen und Tod kommen, vor allem, wenn Sepsis nicht früh genug erkannt und behandelt wird. Sepsis ist ein Notfall!

Wie erkenne ich eine Sepsis?

Die Symptome stehen zunächst im Zusammenhang mit der Infektion und ihrer Ursache: Fieber, evtl. Schüttelfrost, schneller Puls, eine erhöhte Atemfrequenz, sowie z.B. Husten bei einer Lungenentzündung oder Bauchschmerzen bei Blinddarmentzündung. Ein extremes Krankheitsgefühl, verfärbte Haut, Schläfrigkeit oder Verwirrtheit sowie schnelle, schwere Atmung bzw. Atemnot können Anzeichen einer beginnenden Organschädigung sein, die schnell zu Organversagen, septischem Schock und Tod führen kann. Bei Sepsis wird auch häufig ein Anstieg oder eine Abnahme der weißen Blutkörperchen im Blut beobachtet. Meist sind die Entzündungswerte im Blut erhöht.

Wenn Sepsis so gefährlich ist – warum habe ich noch nie von Sepsis gehört?

Wenn Menschen an einer Infektionskrankheit sterben, z.B. an einer Lungenentzündung, wird als Todesursache meist Lungenentzündung angegeben, obwohl die direkte Todesursache meist Sepsis ist. Wenn jemand aufgrund einer Sepsis nach einer schweren Verbrennung stirbt, wird die Todesursache meist als Komplikation des Verbrennungstraumas geführt. Weil Sepsis selten als Todesursache verzeichnet wird, ist dieses Problem vielen Menschen nicht bekannt. Diese herrschende Unwissenheit in der Bevölkerung ist unsere größte Sorge und die Sensibilisierung der Gesellschaft für Sepsis ist eines unserer wichtigsten Ziele.

Fragen zur Behandlung von Sepsis

Kann Sepsis behandelt werden?

Ja. Die ersten Stunden der Behandlung sind entscheidend. Patienten müssen möglichst in der ersten Stunde nach der Diagnose Sepsis Breitband-Antibiotika erhalten. Blutkulturen oder Abstriche vom mutmaßlichen Infektionsherd werden angelegt, um die Entzündungsursache zu ermitteln. Die Bestimmung des Laktats im Blut zeigt, ob der Kreislauf gestört ist. Patienten mit nicht ausreichendem Blutdruck und erhöhten Laktatwerten benötigen eine Infusion von Flüssigkeit. Je nach Schweregrad der Erkrankung kann eine Behandlung auf der Intensivstation nötig sein.

Wurde die Sepsis durch einen infizierten Fremdkörper verursacht (z.B. einen Blasenkatheter, eine durch die Bauchdecke geführte Ernährungssonde, eine künstliche Herzklappe), oder durch einen Stein im Nierenbecken oder einen Riss im Darm, so ist die Einnahme von Antibiotika allein nicht ausreichend. In diesem Fall muss auch der Infektionsherd bzw. der infizierte Fremdkörper so schnell wie möglich operativ entfernt werden.

Ist es normal, dass ich mich kraftlos und erschöpft fühle, nachdem ich eine Sepsis überlebt habe? 

Müdigkeit nach einer schweren Krankheit, einschließlich Sepsis, ist sehr häufig. Ihr Körper hat sehr viel durchgemacht. Er hat nicht nur eine Infektion bekämpft, sondern auch eine Sepsis, die zum Tod hätte führen können. Jetzt, wo der Körper die unmittelbare Gefahr durch Sepsis überstanden hat, brauchen Sie Ruhe, müssen Kraft tanken und Ihre Reserven wieder aufbauen. Sollten Sie sich weiterhin erschöpft fühlen, könnten sich auch andere Ursachen dahinter verbergen. Sie sollten Ihren Arzt aufsuchen, um sicherzustellen, dass andere Organe, wie z.B. die Schilddrüse, richtig arbeiten.

Um Ihren Körper zu unterstützen, sollten sie sich gesund und ausgewogen ernähren sowie genügend körperliche Bewegung bekommen. Körperliche Übungen sind nicht gerade einfach, wenn Sie sich erschöpft fühlen, aber wenn Sie es langsam angehen lassen, z.B. mit regelmäßigen Spaziergängen, sollte Ihre Energie allmählich wieder zurückkehren. Informieren Sie sich, inwieweit Ihnen gesundheitliche Rehabilitationsmaßnahmen zustehen. In einer solchen Rehabilitationsmaßnahme, die stationär oder ambulant durchgeführt werden kann, hilft Ihnen qualifiziertes Personal bei grundlegenden Übungen und überwacht Ihre Fortschritte.

Nach einer Sepsis leiden viele Menschen an kognitiven Defiziten wie Gedächtnisverlust und Konzentrationsschwäche. Sie haben Schwierigkeiten bei der Ausführung von geistigen Aufgaben, die vor der Erkrankung leicht fielen. Je älter ein Sepsis-Patient ist, desto größer scheint das Risiko zu sein, hinterher Probleme mit dem Gedächtnis zu bekommen.

Fragen zu Vorbeugung und Risikofaktoren der Sepsis

Wie kann ich eine Sepsis verhindern?

Am ehesten beugt man Sepsis vor, indem man Infektionen verhindert. Zwar gibt es keine spezifischen Impfstoffe gegen Sepsis, aber es gibt Impfungen gegen einzelne Sepsis-Erreger, z.B. Pneumokokken, Meningokokken und Influenza. Besonders kleine Kinder und Menschen über 65 Jahre sollten deshalb den Impfempfehlungen der Gesundheitsbehörden folgen, weil sie besonders anfällig für Infektionen sind. Dies betrifft auch Menschen, die ohne Milz zur Welt kamen, oder die ihre Milz durch einen Unfall, eine Operation oder durch aggressive Chemotherapie verloren haben.

Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und ausreichend Schlaf kann dazu beitragen, Infektionen zu verhindern. Achten Sie auf gute Handhygiene. Suchen Sie Ihren Arzt auf, wenn eine Erkrankung sich nicht bessert oder schlimmer wird.

Wenn Sie doch eine Infektion bekommen, können Sie eine Sepsis verhindern, indem Sie die Infektion richtig behandeln.

Das heißt:

  • Einnahme von Antibiotika wie vorgeschrieben
  • Abschluss der gesamten Antibiotika-Behandlung
  • Nie Antibiotika unnötig einnehmen – dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie gegen Antibiotika resistente Infektionen entwickeln
  • Keine Antibiotika von anderen einnehmen

Als medizinisches Fachpersonal können Sie dazu beitragen, im Krankenhaus erworbene Infektionen zu reduzieren, indem Sie das Patientensicherheitsprogramm der WHO befolgen.

Gibt es Risikofaktoren für Sepsis?

Sepsis kann jeden treffen, auch Personen, die zuvor vollkommen gesund waren. Jedoch sind Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie Diabetes, Krebs, HIV-Infektion, und Patienten mit vorangegangenen Chemotherapien oder einer Behandlung mit Kortikosteroiden aufgrund einer Immunsuppression anfälliger für Infektionen. Auch Frühgeborene, Menschen über 65 und Menschen ohne Milz sind besonders gefährdet.

Können auch kleine Wunden zu einer Sepsis führen?

Wenn sie zu einer generalisierten Entzündungsreaktion führen, können auch kleine Wunden Sepsis verursachen. Es gab Fälle von Sepsis, die durch kleine Risse am Mundwinkel verursacht wurden, durch die Bakterien von der Haut in das Kreislaufsystem dringen konnten.

Fragen zu Sepsis bei Kindern

Wie erkenne ich den Beginn einer Sepsis bei einem kleinen Kind?

Bei kleinen Kindern ist die Körpertemperatur erhöht, sie werden schläfrig, schwach und verlieren Muskeltonus. Sie atmen schwer, haben keinen Appetit und wirken häufig irgendwie verändert. Möglicherweise haben sie fleckige Haut und kalte Gliedmaßen. Wenn ein Kind eine Infektion hat, sich der Zustand dramatisch verschlechtert und mindestens zwei der genannten Symptome vorliegen, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder bringen Sie Ihr Kind in die Notaufnahme. Machen Sie den Arzt auf eine mögliche Sepsis aufmerksam.

Sind Frühgeborene anfälliger für eine Infektion und Sepsis?

Da das Immunsystem bei zu früh geborenen Babys noch nicht voll entwickelt ist, sind sie entsprechend anfälliger für Infektionen und Sepsis. Wenn ein Baby künstlich beatmet werden muss, weil die Lunge noch nicht ausgereift ist, ist dies eine lebensrettende Maßnahme. Jedoch besteht durch diese invasive medizinische Maßnahme auch das Risiko für eine Lungenentzündung. Dies gilt auch für andere invasive Maßnahmen, wie Venenkatheter oder andere Katheter, die frühgeborene Babys zum Überleben brauchen.

Was kann ich tun, um das Risiko für meine Kinder zu minimieren?

Sie sollten Ihre Kinder gemäß der allgemeinen Impfempfehlungen impfen lassen, da sie auf diese Weise gegen Infektionen mit verschiedenen Krankheitserregern geschützt sind, die z.B. Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und Grippe (Influenza) hervorrufen können. Insbesondere sollten solche Kinder umfassend geimpft werden, die ohne Milz zu Welt gekommen sind, Operationen oder aggressive Chemotherapien erhalten haben.

Fragen zu Sepsis in der Schwangerschaft, während oder nach der Geburt

Was ist eine Puerperalsepsis?

Wenn sich eine Sepsis während oder nach der Geburt oder nach einem Schwangerschaftsabbruch entwickelt, spricht man von puerperaler Sepsis, auch Kindbettfieber genannt.

Ist es wahr, dass Sepsis durch eine Infektion während der Geburt entstehen kann?

Wenn Sie in einem entwickelten Land leben, beträgt das Risiko einer Infektion während der Geburt ca. 1%, wobei sich nicht jede Infektion zur Sepsis weiterentwickelt. In Entwicklungsländern ist Sepsis jedoch die zweithäufigste Todesursache im Zusammenhang mit Geburten.

Wie unterscheidet sich Sepsis während der Schwangerschaft von einer Sepsis bei anderen erwachsenen Frauen?

Infektionen können während der Schwangerschaft häufiger sein und schwerer verlaufen, da im Körper der Frau bestimmte physiologische Veränderungen stattfinden. Einige Funktionen des Immunsystems einer schwangeren Frau – also das System, das Ihren Körper gegen Infektionen schützt – werden während der Schwangerschaft unterdrückt. Die Zunahme der Blutmenge im Körper der Schwangeren bewirkt, dass Herz, Lunge und Nieren stärker arbeiten müssen und Infektionen dadurch möglicherweise schwerer zu erkennen sind.

Ich bin schwanger. Was kann ich tun, um die Gefahr einer Sepsis zu verringern?

Die Vermeidung von Infektionen ist entscheidend, um das Risiko einer Sepsis zu reduzieren. Stellen Sie sicher, dass Sie alle empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Während dieser Untersuchungen werden Sie von ihrem Arzt auf häufige Infektionen getestet und im Fall einer Infektion behandelt. Sie werden darauf hingewiesen, wie Sie Infektionen vermeiden können und zu Impfungen und Ernährung beraten. Wenn Sie sich zu irgendeinem Zeitpunkt während der Schwangerschaft unwohl fühlen, wenden Sie sich an Ihren Arzt.

Kann ein Kaiserschnitt mein Sepsisrisiko senken?

Ganz im Gegenteil! Das Infektionsrisiko ist nach einem Kaiserschnitt viermal höher als bei einer normalen Geburt. Dies hängt hauptsächlich mit dem Risiko zusammen, an der Wundstelle eine Infektion zu entwickeln.

Was können Gesundheitseinrichtungen unternehmen, um das Risiko einer mütterlichen Sepsis zu minimieren?

Gesundheitseinrichtungen können eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherstellen, um das Risiko von Infektionen im Zusammenhang mit der Gesundheitsversorgung zu verringern. Dies bedeutet, dass die Einrichtungen sicherstellen sollten, dass bei jeder Geburt die Hygienevorschriften befolgt werden, dass es Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen gibt, sowie dass Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionen getroffen werden. Die Einrichtungen sollten außerdem sicherstellen, dass Eingriffe während der Geburt (z.B. Kaiserschnitt) auf das notwendige Minimum beschränkt werden.

Fragen zur Verwendung von Antibiotika bei Sepsis

Kann Sepsis in einem frühen Stadium erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden?

In den meisten Fällen ja. Wurde die Sepsis durch einen infizierten Fremdkörper verursacht (z.B. einen Blasenkatheter, eine durch die Bauchdecke geführte Ernährungssonde, eine künstliche Herzklappe), oder durch einen Stein im Nierenbecken oder einen Riss im Darm, so ist die Einnahme von Antibiotika allein nicht ausreichend. In diesem Fall muss auch der Infektionsherd bzw. der infizierte Fremdkörper so schnell wie möglich operativ entfernt werden.

Was ist bei der Antibiotika-Einnahme zu beachten?

Nehmen Sie die Antibiotika wie von Ihrem Arzt verschrieben ein. Besonders wichtig ist auch der Abschluss der gesamten Behandlung – setzen Sie das Medikament nicht eigenmächtig früher ab! Antibiotika sollten nur eingenommen werden, wenn dies unbedingt notwendig ist. Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass sich Keime entwickeln, die unempfindlich (resistent) gegen die vorhandenen Antibiotika sind.

Was kann man tun, wenn bei Sepsis kein Antibiotikum mehr eine Wirkung zeigt?

Leider existieren immer mehr Krankheitserreger, die sogar gegen sogenannte Reserve-Antibiotika resistent sind. Als einzige Maßnahme für den Patienten bleibt dann nur noch die intensivmedizinische Behandlung auf der Intensivstation. Dort werden die Organfunktionen aufrechterhalten, in der Hoffnung, dass das körpereigene Immunsystem die Ausbreitung der Erreger weiter verhindert. Allerdings kann vielen dieser Patienten auch mit diesen Maßnahmen nicht mehr geholfen werden.

Welchen Einfluss hat MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) auf eine Sepsis?

MSRA ist ein Sepsis-Erreger, der auf die Behandlung mit normalen Antibiotika nicht reagiert. Dieser Erreger ist verantwortlich für einige Sepsis-Fälle, aber nicht alle MRSA-Infektionen entwickeln sich zu einer Sepsis. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Sepsis zu sterben, ist bei Vorliegen von MRSA jedoch höher als bei anderen antibiotikaresistenten Keimen.