Stell Dir vor, Du bist in Lebensgefahr und merkst es nicht!

Leif erzählt von seinem Kampf gegen Sepsis …


Der Ausbruch – Freitag, 10.04.2015 bis Dienstag, 14.04.2015

Es begann mit einem lustlosen Gefühl an einem Freitag Abend des 10ten Aprils 2015, nachdem ich meine Kinder nach dem Grillen ins Bett gebracht hatte und vergeblich auf einen Freund wartete, der eine Autopanne auf dem Weg zu mir hatte.

Ich entschied mich schließlich, ins Bett zu gehen und mich zu entspannen. In der Nacht übergab ich mich zwei mal, wirklich erholsamen Schlaf bekam ich nicht. Am nächsten Morgen fühlte ich mich, wie durch den Wolf gedreht. Die Übelkeit legte sich auch am Tage nicht, so besuchte ich noch mehrmals das Klo. „Oh je das wird wohl nichts in 2 Wochen“, dachte ich, denn Ende April hatte ich mich doch für den Hamburg Marathon angemeldet. Sollten 8 Monate intensives Lauftraining wirklich für die Katz´ gewesen sein? Nein, ganz im Gegenteil, wie sich noch raus stellen sollte.

Die darauf folgende Nacht wurde noch schlimmer. Ich hatte sehr starke Bauchschmerzen, weiterhin Übelkeit und das matteste und schlaffeste Körpergefühl, das ich jemals gespürt habe. Als wäre das noch nicht genug, war ich auf seltsame Art benebelt. Und wann war ich eigentlich das letzte Mal pinkeln???

Als ich Zähne putzen wollte, verspürte ich große Schmerzen im Mund- und Rachenraum. Alles war wie aufgescheuert und blutig. Mein Mund fühlte sich an, als hätte ich einen großen Waschlappen drin. Ich konnte nicht schlucken. An meinem Körper bemerkte ich eigenartige rote Punkte und größere rote Flecken, die unter der Haut entstanden. Mein Gott, was war da nur los?

Meine Frau meinte es sehr gut mit mir. Sie erinnerte mich daran, viel zu trinken, kochte mir leicht verdaubares Essen und organisierte den Arztbesuch. Später sagte sie zu mir, dass sie mich noch nie so krank erlebt hatte.

Ich las ich mir einige Kapitel in einem Lexikon zur Medizin und Gesundheit durch. Demnach trafen viele (aber nicht alle) Symptome einer echten Grippe zu. Am Montag den 13. April 2015 fuhr ich mehr schlecht als recht mit meiner Frau zum ersten Mal zu meinem Hausarzt. Ich war nicht in der Lage lange zu stehen oder zu gehen. In der Praxis wurde mir sofort ein Behandlungszimmer mit Liege angeboten. Die mich behandelnde Ärztin stellte bei mir aber einen „Magen-Darm-Infekt“ fest und verordnete Hühnersuppe und ein Medikament gegen Übelkeit. Blut wurde nicht entnommen. „Da müssen Sie jetzt durch“, so sagte sie.

In der Nacht hatte ich viel phantasiert, ich unterhielt mich auf der Bettkante mit Rafael van der Vaart über die unsägliche Situation beim HSV, während meine Frau neben mir schlief und wie ich nicht ahnte, dass ich zu diesem Zeitpunkt dem Tod näher war als je zuvor.

Am nächsten Tag der Dienstag war keine Besserung in Sicht. Weder das Medikament half noch wurde irgendwas besser, eher im Gegenteil. Am Morgen hatte sich meine Stimme fast verabschiedet. Außerdem konnte ich kaum noch richtig laufen oder stehen. Ich schleppte mich nur noch zwischen Bett und Couch hin und her. Ich mochte nichts essen, nichts trinken, konnte nicht schlafen und mich auch nicht auf irgendwas konzentrieren (wie Fernsehen oder Musik hören). Der Zustand war unhaltbar, ich musste wieder zum Arzt. Gepinkelt hatte ich immer noch nicht. Meiner Frau fiel auf, dass ich eine himbeerrote Zunge hatte und vermute Scharlach! Zumal die Zunge am vorherigen Tag noch ganz weiß war. Als ein zweiter Arzt dazu kam, wurde tatsächlich Scharlach diagnostiziert. Aber Blut entnahmen sie nicht, es wurde nicht einmal ein Abstrich gemacht. Was muss das eigentlich für ein Anblick gewesen sein, als ich durch meine Frau gestützt mit viel Mühe die Praxis betrat? Hätte es da nicht beim Personal klingeln müssen? Kommt etwa so ein 37-jähriger, sportlicher junger Familienvater durch die Arztpraxistür? Ich wurde wieder nach Haus geschickt. Mit einem Rezept für Penicillin. Ich hatte größte Schwierigkeiten diese Tablettenriesen zu mir zu nehmen. Ich musste sie tatsächlich zerkauen, was sich als äußerst eklig herausstellte. Mein Zustand besserte sich immer noch nicht. Ich kann mich erinnern, ein lautes Rauschen draußen zu hören, als ob ein großer Sturm tobte. Da war aber nichts.

In der Notaufnahme – Mittwoch, 15.04.2015

Es war letztendlich meine Frau, die nach einem verzweifelten Anruf bei meinem Bruder und einem erneuten Telefonat mit dem Arzt den Notarzt rief. Als dieser eintraf, lag ich regungslos auf der Couch. Ich weiß noch, ich konnte mich überhaupt nicht mehr bewegen. Auch die Kommunikation lief schwer. Die Rettungskräfte legten mich an den Tropf, hoben mich mit einer Bahre raus in den Krankenwagen und fuhren mich auf direktem Wege ins Amalie-Sieveking-Krankenhaus in Hamburg Volksdorf. Dort in der Notaufnahme angekommen, wurde es um mich herum sehr hektisch. Ich kann mich nicht mehr an viel erinnern. Es wurde unglaublich viel gefragt. Unter anderem, wie der Verlauf war, wann ich das letzte Mal zur Toilette ging und ob ich Haustiere hätte. Später wurde das im Zusammenhang mit dem Verdacht auf den Hanta-Virus gesetzt. Übrigens konnte ich auf diese Fragen nicht so richtig gut antworten, ich setzte Zeichensprache ein und hielt meine offenen Hände an den Kopf und wackelte mit den Händen hin und her. Das sollte „Kaninchen“ bedeuten. Meine Frau wurde sogar gefragt, ob ich stumm wäre! Mein Gott, das wurde ich noch nie gefragt, ich bin schließlich Hobbysänger. So musste sie den weiteren Redepart für mich übernehmen und teilweise übersetzen. Es war schon schlimm, als die Ärzte sie fragten, ohne dass ich es mitbekam, ob wir Kinder hätten und in welchem Alter sie seien und daraufhin die Antwort kam: „Oh, das tut uns aber Leid“! Bei all diesem Durcheinander und der Ungewissheit, was soll einem das nur sagen? Jedenfalls gab es ein großes, nie da gewesenes Interesse an meiner Person. Ich wurde von so vielen Ärzten befragt und untersucht. Viele Krankenschwestern behandelten mich, fuhren mich im Krankenbett von einer Stelle zur nächsten. Ich kam sogar in die CT-Röhre. Das wollte ich schon immer mal machen. Es war aber nicht so toll, wie ich es mir vorgestellt hatte. Irgendwann bekam ich kaum noch was mit.

Es muss schon Abend gewesen sein, als ich auf die Beobachtungsstation des Krankenhauses kam. Jetzt kehrte endlich etwas Ruhe ein. Dann bekam ich Besuch von meinen Verwandten. Etwas verwundert war ich schon, dass auf einmal meine Eltern, mein Bruder, meine Schwägerin und mein Pastor (?) vor mir standen. Aber natürlich freute ich mich sehr durch meine benebelten Augen. Meine Mutter erlitt einen halben Nervenzusammenbruch und wurde dann von den Ärzten dezent nach draußen verwiesen. Mein Bruder wollte gar nicht gehen, als ich schon kurz vor dem Einschlafen war. „Weißt Du eigentlich, dass ich heute Geburtstag habe?“, sagte er. Ach ja, es war der 15.04.15, der Geburtstag meines großen Bruders, und beinahe wäre es mein Todestag geworden! Später sagte mir meine Frau, dass ihr die Ärzte nicht viel Hoffnung gemacht hatten. Es hieß, ich hätte eine etwa 50%ige Überlebenschance und sie würden alles tun, was sie können. Zu Hause hätte ich es auf alle Fälle nicht mehr durch die Nacht geschafft!

Was hatte ich denn nun überhaupt? Was war los? Darauf hatten auch die Ärzte keine konkrete Antwort. Fest stand, dass ich eine Sepsis hatte, die für ein Multiorganversagen sorgte. Lunge, Herz, Magen, Darm und … die Niere!! Darum konnte ich seit nunmehr 5 Tagen nicht mehr pinkeln. Darum hatte ich auch überhaupt keinen Durst. Darum wäre ich fast gestorben. Ich war aufgedunsen, mein Darm war träge und drohte zu platzen. Mein Herz pfiff buchstäblich auf dem letzten Loch … Es war ernst, sehr ernst. In diesem Zusammenhang ist es klar, warum meine Frau alle Verwandten und meinen Pastor nochmal durchschleuste. Es war ein Abschied! Das lässt mich auch jetzt beim Schreiben dieser Zeilen nicht kalt. Besonders schlimm war es natürlich für meine liebe Frau, die nicht nur im Begriff war, ihren Ehemann zu verlieren, sondern auch vor einer schier nicht zu bewältigen Situation gestanden hätte. 2 Kinder (3 und 7), selbständig als Tagesmutter halbtags tätig, 4 Tage die Woche. Ein Haus, das noch lange nicht abbezahlt war. Mein Gott, nein, das war nicht der Plan!
Mein Phantasieren wurde in dieser Nacht extrem schlimm. Ich begann auf meinem Handy im Internet zu surfen (ich bemerkte im wachen Moment, dass ich meine Finger auf einer imaginären Tastatur bewegte), außerdem hörte ich eindeutig mehrmals, dass meine Kinder im Raum nebenan waren und völlig unbetreut blieben. Ich schrieb darauf meiner Frau eine SMS (in echt!). Daraufhin rief meine Frau mitten in der Nacht das Krankenhaus an, um sich nach mir zu erkundigen. Natürlich waren meine Kinder nicht bei mir, sondern in ihrem Bett. Der blanke Horror für meine Frau.

Intensivstation – ab Donnerstag, 16.04.2015

Ich kam noch in der selben Nacht auf die Intensiv- und gleichzeitig Isolationsstation. Schließlich wussten die Ärzte nicht, was ich nun wirklich hatte. Ich kam an die Dialyse. Was für ein Glück, dass es dieses Wunderwerk der Technik gibt. Ich vertrug die Dialyse sehr gut. Die Blutwerte waren in einem desolaten Zustand. Ich hatte starke Wassereinlagerungen und wurde immer aufgedunsener. Da sich mittlerweile schon Wasser in der Lunge ansammelte, war die Atmung bedroht. Sollte sich die Lage nicht in Kürze ändern, würden sie mich in ein künstliches Koma versetzen und mich dann künstlich beatmen. Ein Glück blieb ich davon verschont. Die ersten Herzrhythmusstörungen stellten sich ein.

An meinem ZVK (zentraler Venenkatheter) müssen zeitweise 8 oder 9 Medikamente angeschlossen gewesen sein. Außerdem hatte ich mehrere kleinere Kanülen, eine Nasensonde sowie Elektroden am Körper und eine wirklich lästige Fingerkappe für den Puls. Ich wurde künstlich ernährt. Normalerweise schlief ich immer auf der Seite, hier konnte ich aber nur auf dem Rücken liegen. Schrecklich! Es war irrsinnig laut auf der Intensivstation, auch in der Nacht. Andauernd kamen Pfleger oder Ärzte rein. Ich konnte nie länger als 3 Stunden am Stück schlafen. Ich hatte unfassbare Darmprobleme. Zwischendurch drohte er zu platzen! Eine OP hätte das verhindern sollen, doch die Blutwerte waren immer noch so schlecht, dass eine OP eigentlich nicht möglich war. Doch auch das schaffte mein Körper ohne Eingriff!

Ich verstand nicht viel von Medizin, aber mir wurde einige Tage später von der Chefärztin reiner Wein eingeschenkt. Viele hier vorangegangenen Detailbeschreibungen waren mir bis dato nicht bekannt. Meiner Frau wurde eindringlich gesagt, sie dürfe mir nicht mitteilen, wie lebensbedrohlich ich erkrankt war, damit ich psychisch stabil bliebe. Die Ärztin schilderte mir, dass es äußerst kritisch um mich stand. Ein gutes Beispiel dafür zeigte sie mir anhand meines Thrombozyten(Blutplättchen)-Wertes, der bei gesunden Menschen etwa zwischen 250 bis 320 Tausend liegt. Meiner lag zeitweise bei nur 6 Tausend. An jenem Tag fiel ich in ein tiefes Loch. Ich heulte den ganzen Tag. Die Vorstellung, meine Frau und meine Kinder alleine zu lassen, überwältigte mich. Es war das schlimmste Gefühl, das ich jemals hatte. Ich ließ alles raus, um mich von dieser unfassbar schrecklichen Nachricht zu befreien. Ich heulte noch viele Stunden an diesem Tag. Das Pflegepersonal verstand es sehr gut, mich an diesem Tag mit meiner Situation alleine zu lassen. Das brauchte ich auch. Ich glaube, ich habe mir damit einen sehr großen Gefallen getan. Ich versuchte sogleich das Erlebte psychisch zu verarbeiten. Dabei war noch längst nicht alles wieder gut.

Ich vermisste meine Kinder ganz schrecklich. Eines Nachts wachte ich auf und hatte vollends die Orientierung verloren. Ich sah mich an der Wand des Raumes hängen, bis sich auf einmal der Raum drehte und ich in die richtige Perspektive zurück gelangte. Ich schrie auf und rief einen Pfleger herein, der mich wieder beruhigte. Ich wollte, dass das aufhörte. Am nächsten Tag ging es mir besser. Ich schöpfte Hoffnung, dass das alles hier ein gutes Ende nimmt. Von dieser Hoffnung waren die meisten Ärzte und meine Frau noch weit entfernt.

Irgendwann wurde von Lebensgefahr nicht mehr gesprochen, da hatte ich wohl die Kurve bekommen. Aber welche Folgeschäden würden bleiben? Wird die Niere wieder funktionieren oder bleibe ich Dialyse-Patient? Diese Fragen blieben, genau wie die Frage, was jetzt eigentlich die Sepsis ausgelöst hat? Hanta Virus? Ebola? Leptospiren? Mein Blut wurde zu diversen Instituten eingeschickt, zwecks Analyse. Es wurden auch DNA-Tests gemacht. Ergebnis: Nichts! Ja, gibt’s denn das? Immer noch gab ich den Ärzten Rätsel auf. Allmählich bemerkte ich Veränderungen an mir. Zum Glück waren diese roten Punkte und Flecken weg, aber mit der Haut stimmte was nicht. Meine Hände wirkten wie die von einem alten Mann. Die Haut sah aus und fühlte sich an wie Papier. Beim Zähneputzen konnte ich die Haut von meinem Gaumen abstreifen. Das war wirklich widerlich. Auch hier wurde ein Probe der Gaumenhaut untersucht. Wieder nichts! Zudem verlor ich meinen Geschmackssinn. Alles schmeckte so nach Papier. Das stellte ich fest, als ich wieder mit dem Essen begann. Die ersten Portionen waren winzig, aber ich steigerte mich. Darauf war ich wirklich stolz, da ich mich von der künstlichen Ernährung befreien wollte.

Mal abgesehen von den Nächten war es gar nicht schlimm auf der Intensivstation. Am besten gefiel mir das Pflegepersonal. Alle, ausnahmslos, haben sich rührend um mich gekümmert und meine Würde verteidigt. Das war mindestens genau so wichtig, wie das Retten meines Lebens durch die Ärzte. Da ich durch zahlreiche Horrorreportagen erfahren habe, dass es in der Altenpflege schlimme Zustände gibt, war ich dankbar um meine Situation. Ich erinnere mich noch, wie eine Pflegerin fragte, ob sie mir die Haare waschen sollte. Ich willigte ein, aber fragte sie, wie das denn im liegenden Zustand gehen soll. „Kein Problem, lass mich mal machen“, sagte sie aufmunternd. Sie besorgte einen blauen Müllsack, stopfte ihn am Kopfende zwischen Matratze und Bettgestell, legte alles mit Handtüchern aus und schüttete mir die erste Ladung Wasser über die Haare. Das Wasser floss sofort in den Sack. Dann wusch Sie meine Haare und spülte auf gleiche Weise hinterher. Anschließende föhnte Sie mich. Ich fühlte mich toll. Außerdem erzählte Sie mir viel von sich und fragte auch nach meinen Kindern. Das war nur ein Moment von vielen, die ich mit den Pflegern erleben durfte. In den darauf folgenden Tagen stieg die Stimmung bei den Ärzten und auch bei mir.
Ich machte mich gut. Meine Werte wurden besser und ich wurde auf die Beobachtungsstation verlegt.

Die neue Beobachtungsstation IMC – Donnerstag, 23.04.2015

Während meines Aufenthaltes im Krankenhaus platzte ich förmlich in den Um- und Neubau des Krankenhauses. Es wurde eine nagelneue Beobachtungs- und Intensivstation gebaut. Ich kann nun mit Fug und Recht behaupten, dass ich der erste männliche Patient bin, der die neue IMC betreten bzw. befahren hat. Es wurde sogar ein Selfie von einer Krankenschwester mit mir gemacht. Spaß muss sein!

Von der IMC gibt es eigentlich nicht all zu viel zu berichten. Mein Zustand besserte sich immer mehr und mehr. Das merkte ich schon allein daran, dass sich kaum noch ein Arzt für mich interessierte. Das soll nicht böse klingen, ich war froh darum. Hieß es doch, dass ich langsam gesund wurde. Und ich schlief die erste Nacht durch! Bei einem Besuch meiner Frau machte sie einen jungen Arzt, der sich zu diesem Zeitpunkt um mich kümmerte, auf meine Hände aufmerksam. Die Haut schälte sich. Unter der alten Haut hatte sich ein komplett Neue gebildet. Meine Frau sagte, dass das doch eindeutig ein Indiz für Scharlach sei! Einen Tag später hatte der junge Arzt tatsächlich einen Zusammenhang von Scharlach und der Sepsis hergestellt. In äußerst seltenen Fällen schaffen es die Scharlacherreger tatsächlich in die Blutbahn. Daraufhin hat mein Körper äußerst heftig mit einem toxischen Schock reagiert. Also doch Scharlach!!! Meine Frau hatte es die ganze Zeit gewusst. Ich hörte mal, dass Kinderkrankheiten bei Erwachsenen wesentlich heftiger ausfallen können. Aber so? Der Arzt erklärte mir, dass meine Form des Scharlachs äußerst selten sei. Vielleicht 1:1,6 Millionen mal. Wie bitte? Das ist ja wie ein Lottogewinn, nur umgedreht!
Ich konnte es kaum fassen, dass ich Opfer einer so seltenen Krankheit geworden bin. Wenn ich es einmal ins Krankenhaus schaffen sollte, so hätte ich gewettet, dass es aufgrund eines Verkehrsunfalls passieren würde. Aber an eine Sepsis durch Scharlach habe ich bestimmt nicht gedacht.

Während meines Aufenthaltes auf der IMC wurde mir mein zentraler Venenkatheter entfernt und durch einen Shaldon-Katheter in der Hauptschlagader ersetzt. Die Mini-OP wurde direkt im Krankenzimmer durchgeführt. Hier hieß es einmal mehr Zähne zusammenbeißen. Ich hatte ja in den vergangenen Tagen mehrere durchaus unangenehme Untersuchungen und Behandlungen über mich ergehen lassen. Aber das toppte alles. Allein die Vorstellung, dass gerade etwas in der Größe eines Strohhalmes in meine Hauptschlagader geführt wurde reichte mir schon. Außerdem erwähnte der Arzt, dass er auf keinen Fall die Arterie treffen möchte. „Das wäre schlecht, hä hä “, hörte ich ihn noch sagen. „Ja, sehr witzig, Doc!“, antwortete ich. Die OP gelang zum Glück, aber was als Nächstes passierte, war dann doch nicht ganz in meinem Sinne. Das Bett musste für die OP am Kopfende deutlich gesenkt werden. Mein Kopf wurde also sehr gut durchblutet. Als der Arzt fertig war, tippte er das Bettpedal einmal kurz an und ich sauste mit dem Kopf und Oberkörper nach oben. Das tat meinem Kreislauf so gar nicht gut. Der Arzt fragte, ob alles ok sei. Ich konnte gerade noch zustimmen, da brach es buchstäblich aus mir raus.

Zu dieser Zeit besuchten mich zum ersten Mal andere Personen als meine Frau. Meine Schwägerin und meine heißgeliebten Kinder durften mich besuchen. Ich musste mich unfassbar verändert haben. Normalerweise rennen meine Kinder auf mich zu. Dieses Mal hielten sie deutlich Distanz zu mir. Es leuchtete mir natürlich ein, wenn ich in den Spiegel schaute. Aber gegen diese Emotionen kann man nichts tun. Ich war überglücklich und zugleich todunglücklich. Die Tage und vor allem die Abende wurden sehr lang, ich kehrte in mich ein. Ich flüchtete mich sehr in die Musik, hörte Radio, versuchte zu lesen. Mich belastete aber noch sehr, was in den letzten Tagen passierte.

Ich betete.

Gott sollte mir die eine Frage beantworten. Die Frage nach Hoffnung, die, ob alles wieder gut wird.
Es zerriss mich, nicht zu wissen, wie es denn jetzt mit mir und meiner kaputten Niere weitergehen sollte. Gleichzeitig schämte ich mich, dass ich mir diese Gedanken machte. Hatte ich nicht mein Leben ein zweites Mal geschenkt bekommen? Was war da schon eine Niere gegen ein Leben? Aber dennoch belastete es mich. Ich fürchtete mich, nicht mehr das Leben führen zu dürfen, wie ich es bisher kannte. Ich ahnte nicht, dass Gott mir schon sehr bald antworten sollte.

Auf Station – Samstag, 25.04.2015

Meine Genesung schritt gut voran, denn die Chefärztin beschloss, mich von der Beobachtungsstation auf die „normale“ Station zu verlegen. Ich weiß noch genau, dass dies der langweiligste Tag auf der IMC war, denn ich wusste seit dem morgen um meine Verlegung und es passierte stundenlang überhaupt nichts. Grund dafür war der Bericht zur Verlegung, den der oben erwähnte junge Arzt noch schreiben musste. Er hatte anscheinend gut zu tun, denn erst gegen 15 Uhr wurde ich verlegt. Dann wurde es aber wirklich spannend, denn zum ersten Mal würde ich einen Zimmernachbarn haben. Tatsächlich wurde ich sehr nervös, als ich ins Zimmer geschoben wurde, obwohl es dafür keinen Grund gab. Da saß ein Mann mittleren Alters auf dem Bett und unterhielt sich mit seiner Frau, die ihn an diesem Tag (und auch an allen anderen Tagen) besuchte. Sie unterhielten sich in einer mir nicht bekannten Sprache, daher versuchte ich raus zu bekommen, woher die Beiden wohl kamen. Ich stellte mich vor und versuchte in Kurzform zu erklären, warum ich denn hier sei. Danach durfte ich raten, aus welchem Land mein neuer Zimmernachbar kam. Aus dem Iran. Ich freute mich über diesen Zimmergenossen. Wir verstanden uns auf Anhieb, obwohl er sehr schlecht deutsch verstand. Die Tage wurden nicht mehr langweilig. Morgens frühstückten wir zusammen, hörten Musik oder besprachen verschiedene Themen. Er ist iranischer Journalist, der sich wohl einmal zu viel kritisch über die Zustände in seinem Land geäußert hat und daher mit seiner Familie nach Deutschland kam. Vor diesem Mann hatte ich höchsten Respekt. An einem Vormittag nach dem Frühstück konnte ich ihm mit meinem Bankfachwissen helfen und rechnete ihm aus, wie hoch wohl die Belastung für ein Eigenheim wäre. Das war wohl der ungewöhnlichste Ort für eine Bankberatung, aber ich machte das gerne. Im Gegenzug brachte er mir ein paar Brocken iranisch bei.

In der Zeit auf der normalen Station hatte ich eine Dusche und Toilette auf dem Zimmer und konnte mich wieder normal kleiden. Das war in der Tat ein großer Luxus. Als ich das erste mal nach ungefähr 10 Tagen wieder unter die Dusche trat, weinte ich vor Glück. Endlich konnte ich diesen „Krankenhausgeruch“ loswerden. Auf der IMC pflegte ich mich mit einer großen Schüssel voll warmen Seifenwasser und Waschlappen. Aber so sehr ich auch schrubbte, ich roch widerwärtig.
Jetzt war der Geruch weg und ich konnte den Krankenhauskittel abstreifen. Ich wählte meine Jogginghose, ein T-Shirt, sowie meinen Kapuzenzipper. Dabei stellte ich fest,dass mir die Sachen überhaupt nicht mehr passten. Sie waren viel zu eng. Hatte ich zugenommen? Ich war anscheinend immer noch völlig aufgeschwemmt und daher nicht wirklich im Umfang geschrumpft, obwohl ich schon seit Tagen kaum Nahrung zu mir genommen hatte. Allerdings besserte sich das. Ich sorgte dafür, dass ich jede Mahlzeit mitnahm, auch wenn ich nicht immer viel aß. Komischerweise schmeckte ich immer noch nicht viel. Ich bekam auch schon ein Medikament gegen Pilzbefall im Mund. Wobei der Abstrich, der an mir vorgenommen wurde negativ war. Später erklärte ich mir das mit der Hauterneuerung, die sich auch in meinem Mund vollzog. Mein Geschmackssinn kehrte später noch zurück.

Auf dieser Station bewegte ich mich viel. Ich lehnte ab jetzt die Thrombosemedikamente ab und benutzte meine Beine. Es war schon schwierig zu akzeptieren, dass ich zu diesem Zeitpunkt vielleicht gerade mal 100 Meter am Stück gehen konnte, wo ich doch noch vor 2 Wochen ca. 30 Km gelaufen bin. Ich hätte nie gedacht, dass man körperlich so schnell abbauen konnte. Aber wenn ich was konnte, dann war das Lauftraining. Also verordnete ich mir ein täglich höheres Gehpensum. Es war auch die Zeit des Besuches. Ich bekam jeden Tag bis zu 3x Besuch. So viele Freunde wollten mich sehen und brannten darauf einen Termin bei Tania zu bekommen. Für meine Frau war es in gewisser Weise eine Erleichterung, denn nun hatte Sie kein schlechtes Gewissen, wenn Sie mal einen Tag mit Besuch aussetzte. Ich freute mich unendlich über meine Freunde. Ich erkannte, wie wertvoll das doch ist, von so vielen tollen Menschen umgeben zu sein. Für mich war das eine wichtige Erkenntnis, die ich bis heute spüre. Freunde sind wichtig.

Die Stationsärztin war wenig begeistert von meinem Besucherstrom. Zwar kam kaum einer zu mir ins Zimmer, da ich fast alle Freunde bereits unten in der Empfangshalle empfing. Aber ich war halt auch so gut, wie nie auf dem Zimmer und demzufolge auch für eventuelle Behandlungen oder Befragungen unzugänglich. Außerdem setzten mir die häufigen Besuche ganz schön zu. Da hatte ich es wohl etwas übertrieben. Nein, gesund war ich noch nicht, das war klar. Auf die Frage der Ärzte, wie ich mich denn fühlte antwortete ich stets „gut“, denn etwas anderes fiel mir nicht ein. Wenn man es in den Bezug zu dem Gefühl auf der Intensivstation setzte, war es wohl auch so. Aber leider hatte ich massive Lungenbeschwerden. In den Nächten hatte ich schneidenden Husten. Ich hatte eine verschleppte Lungenentzündung. Hieraus entwickelte sich dann noch eine gepflegte Rippenfellentzündung, die noch lange anhalten sollte. Meine Nieren funktionierten immer noch nicht. Meine Stimme war immer noch nicht ganz da. Mein Darm arbeitete noch nicht so, wie ich es kannte, dafür musste ich zu häufig auf Klo (es besserte sich übrigens für einen kurzen Zeitraum nach Verzehr eines Schokoriegels, das wollte ich hier unbedingt mal erwähnen!).

Die Nächte waren immer noch sehr sehr kurz. Meistens ging ich gegen 23 Uhr ins Bett und schlief erst gegen 0:30 Uhr ein. Um 4 Uhr war dann aber häufig schon meine Nacht zu Ende. Ich setzte mich dann mit einem Politik- oder Wissenschaftsmagazin in die Halle bei den Fahrstühlen und las.
Dabei fiel mir auf, dass ich trotz des wenigen Schlafes gar nicht müde wurde. Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl sehr aufnahmefähig und hochsensibel zu sein. Was war da nur in den Medikamenten? Vielleicht ist es dieser sensiblen Phase geschuldet, dass ich eine persönliche Gebetserhörung erlebte. Ich kam eines morgens von einer Untersuchung, mittlerweile natürlich zu Fuß. Ich denke, es war eine umfassende Röntgenaufnahme gewesen. An diesem Tag hatte sich ein Teil meiner Familie angekündigt. Es kamen meine Frau, meine Kinder und meine Eltern. Ich stieg also in den Fahrstuhl und wollte in den ersten Stock zu meiner Station. Da fielen mir ein paar handgeschriebene Worte an der Wand des Fahrstuhls auf. Dort stand einfach nur „Alles wird gut“! Ich weiß nicht, wer das dort hingeschrieben hat, auch nicht wann und warum. Aber es durchfuhr mich. Ich fühlte mich auf seltsame Art direkt angesprochen. Das war die Antwort auf meine sehnsüchtige Frage, wie es mit mir weitergeht. Nachdem ich diesen Gedanken gefasst hatte, ging die Fahrstuhltür auf und ich sah meine Familie. Meine Tochter, die noch Tage zuvor nicht an mein Bett treten wollte, kam mir entgegen gerannt und sprang voller Freude auf meinen Arm. Das war der schönste Moment seit langem. Ich nahm meine gesamte Familie in den Arm und dankte Gott für meine Familie und die Gebetserhörung. Ich war voller Hoffnung, dass tatsächlich alles wieder gut werden würde.

Die Niere

Die Urinmessung im Katheter durch die Krankenpfleger war auf der Intensivstation und der IMC eine Katastrophe. Es wurde zu unterschiedlichsten Zeiten gemessen, mal wusste der eine Schichtdienst nicht genau, ob der andere bereits die vorhandene (meist geringe) Menge Urin gemessen hatte. Mal wurde der Katheter gar nicht gemessen… also ein hin und her auf das die Chefärztin nun keine Lust mehr hatte. Sie verordnete eine 100% Messung zu exakt der gleichen Uhrzeit und nahm mich dabei auch in die Pflicht. Ich sollte Buch über meine Trink- und Urinmengen führen. Auf der normalen Station konnte ich zum Glück mein riesiges Plastikgefäß in dem der Urin gesammelt und gemessen wurde, loswerden. Erst so konnte ich überhaupt Spaziergänge unternehmen und duschen. Ich hatte das Gefühl eine Eisenkugel am Bein loszuwerden. Bislang wurden täglich ungefähr 25 bis 60 ml Urin gemessen. Eine verschwindend geringe Menge. Ein Nierenarzt, der bei der Visite häufig zugegen war, sagte, dass das für Ihn ein Silberstreif am Horizont sei. Diese positive Aussage merkte ich mir. Nun bekam ich an einem Tag ein Messergebnis von 120 ml Urin von der messenden Schwester gemeldet, was ich in meine akribische Aufzeichnung von Trinkmenge und Urin aufnahm. Ich wurde stutzig, da ich bisher viel weniger hatte. War da was im Busch? Ich geriet noch nicht in Euphorie, wollte ich doch erst einmal den nächsten Tag abwarten. Ich achtete pedantisch darauf, wann ich was trank und nahm genau die gleiche Flüssigkeitsmenge auf, wie am Vortag. Als ich mir am nächsten Morgen meinen Katheter so anschaute war ich schon recht zuversichtlich. Dann die Messung: 256 ml !! Doppelt so viel. Meine Niere arbeitete wieder, das konnte ich ja kaum fassen. Ich jubelte und triumphierte, dankte dem Herrn im Himmel. Was für ein Geschenk, was für ein Wunder. Tränen überströmt rief ich sogleich meine Frau an und erzählte Ihr, was passiert sei. Meine Frau berichtete mir später, dass Sie meine Freude zunächst gar nicht teilen konnte. Sie war skeptisch aufgrund der immer noch geringen Menge und ahnte nicht, dass das der Tag war, an dem die Niere unaufhörlich anfing Urin zu produzieren und mich letztendlich von den Zwängen der Dialyse befreite. Welch schöner Tag! Mit einer der schönsten in meinem Leben. Die Urinmengen verdoppelten sich täglich auf über 500 ml, danach 1000 ml. Ich durfte nun ungehindert trinken. Die vorherige Anweisung, nicht mehr als 700 ml pro Tag zu trinken galt nun für mich nicht mehr. Ich erfuhr, dass die Niere nun eine polyurische Phase durchmachte und sehr viel Urin produzierte. Tatsächlich kam ich zum Höhepunkt dieser Phase auf mehrere Liter täglich. Irgendwann drosselte ich das Trinken und die Phase hörte damit auch auf.

Obwohl meine Niere schon wieder funktionierte, musste ich noch an die Dialyse. Es dauert immer etwas, bis die Niere auch entgiftet. Also brauchte ich hier noch etwas Geduld. Allerdings gab es außer der Dialyse nicht mehr viel, was die Ärzte für mich machen konnten. Die Nächte im Krankenhaus waren immer noch sehr kurz. Der Lärm auf der Intensivstation war zwar kein Vergleich, aber auch hier piepte, klackte und raschelte es in einer Tour. Das Bett war von Anfang an die reinste Frechheit. Die Matratze ein Graus. Ich sollte noch mindestens 2 Monate Schwierigkeiten mit meinem Steißbein haben, weil ich auf dieser Matratze liegen musste. Ich hatte Sehnsucht nach meinem Zuhause!

Die Entlassung aus dem Krankenhaus – Donnerstag, 30.04.2016

Am Abend des 29.04. fasste ich einen Entschluss. Ich musste hier raus und beantragte die Entlassung auf eigenen Wunsch. Die Dialysebehandlung wurde ohnehin im Dialyse Zentrum vorgenommen, daher konnte ich auch von zu Hause aus zur Dialyse. Ich informierte also meine Ärzte und meine Frau. Aber keiner reagierte besonders euphorisch! Im Gegenteil, es wurde mir eindeutig davon abgeraten, was ich im Nachhinein auch sehr gut nachvollziehen kann. Mit meiner Erkrankung schon nach 2 Wochen das Krankenhaus verlassen zu wollen war kühn, aber machbar! Ich setzte meinen Willen durch und konnte am Abend des darauf folgenden Tages meine Sachen packen.

Ein guter Freund holte mich ab und brachte mich nach Hause. Ein Moment, den ich nie vergessen werde. Meine Familie wartete bereits sehnsüchtig auf mich. Ich betrat mein Haus und sah mir in aller Ruhe jeden Raum an. Es war alles noch da. Ich blickte in den Garten und sah, dass der Rasen nach 2 Wochen ziemlich gewachsen war. Ich roch den Fichtenduft unserer Holzdielen und war so unsagbar selig wieder heimgekehrt zu sein. Es waren nur zwei Wochen, aber es fühlte sich an, wie zwei Monate oder länger. Als erstes setzte ich das um, was ich mir fest vorgenommen hatte. Ich ging ins Zimmer meines Sohnes und spielte mit meinen Kindern Lego. Es war höchst unvernünftig, was ich da tat. Ich war nun zu Hause, aber eigentlich noch sehr krank. Zudem hatte ich einen Shaldon im Hals. Was für eine Verantwortung brummte ich da meiner Frau auf. Sie hatte telefonisch vom Arzt strikte Anweisungen bekommen, wie wir uns zu verhalten hatten und was im Notfall zu tun wäre.

Zum Glück fügte es sich, dass der Shaldon schon einen Tag später gezogen wurde und ich nicht mehr an die Dialyse musste. Die Niere entgiftete wieder, meine Werte wurden besser und besser. Nur mein „Entzündungswert“ besorgte meinen neuen Hausarzt. Es sollte der Nierenarzt ‚mit dem Silberstreif am Horizont‘ werden. Die Rippenfellentzündung nahm leider schlimmere Ausmaße an. Ich bekam mal wieder Antibiotika zur Behandlung. Glücklicherweise ebbte die Entzündung ab.

Den gesamten Mai habe ich noch nicht wirklich am Leben teil genommen. Ich schlief viel und aß wenig. Ich hatte sehr viel abgenommen! Dieses Mal passten mir meine Sachen nicht mehr, weil ich zu dünn war. Erst im Juni besserte sich mein Zustand so sehr, dass ich bereits Ende Juni wieder zur Arbeit gehen konnte. Es vergeht seitdem kein Tag, an dem ich nicht an irgendwas aus dieser Zeit denken muss. Gott hatte Recht, als er mir „Alles wird gut“ versprach: Alles ist gut, ein Jahr danach. Meine Niere arbeitet super, meine Werte sind die eines gesunden Mannes. Ich treibe mehrmals in der Woche Sport und ich genieße mein Leben mit meiner Familie. Ich danke Gott für dieses zweite Leben und hoffe, dass ich noch viel Sinnvolles damit anfangen kann. Für mich und meine Mitmenschen.

Ein Jahr später kam ich auf die Idee eine Party zu machen. Am 30.04.2016, genau ein Jahr nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Das Motto der Party: Back to Leif. Statt Geschenken bat ich um Spenden für die Sepsis-Stiftung. Es kamen insgesamt 450,- EUR zusammen. Die Party war großartig. Mein Zimmernachbar war auch da.

Danksagung:
An Gott für das zweite Leben
Ich bin so vielen Menschen dankbar:
Meiner Frau Tania für Ihre beispiellose Aufopferung
Meinen Kindern, Lenny und Jolina. Ich liebe Euch über alles.
Meiner Schwägerin Virginie insbesondere für die Unterstützung meiner Frau
Meiner gesamten Familie
Prof. Dr. Koop Chefärztin der Inneren Medizin im Amalie-Sieveking Krankenhaus
Dr. Wienbeck, Nephrologe der Walddörfer Dialyse
Dem Personal der Walddörfer Dialyse
Dem gesamten Pflegepersonal der Intensivstation, der IMC und meiner Station des Amalie Sieveking Krankenhauses
Den zahlreichen Ober-, Fach- und Assistenzärzten des Amalie Sieveking Krankenhauses
Den netten Helfern und Transporteuren im Krankenhaus
Meinem Zimmernachbarn „Homi“
Der Gemeinde Christuskirche in Großhandorf
Dem Seelsorger Axel ter Haseborg
Dem Pastor Reinhard Brunner
Meinem guten Freund Erik Manke für seine Aufopferung
Meinen lieben Freunden, die mich besucht haben, für mich gebetet haben, die Fahrten für mich machten, die den Rasen mähten, das Haus putzen, mir Unterhaltungsprogramm ins Krankenhaus brachten und so vieles mehr!