Sepsis: Ursachen, Symptome, Folgen

Antworten auf die häufigsten Fragen zur Blutvergiftung

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zur Sepsis sowie zu Symptomen, Behandlung, Risiken und Folgen. Wählen Sie dazu einfach den Reiter zum gewünschten Thema aus.

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Allgemeine Fragen zur Sepsis

Was ist Sepsis (auch Blutvergiftung genannt)?

Sepsis entsteht durch eine überschießende Reaktion des Körpers
auf eine Infektion, die zur Schädigung und Zerstörung von
körpereigenen Organen und Geweben führt. Anstelle einer lokalen Entzündung breitet sich die Abwehrreaktion im ganzen Körper aus. Sepsis ist weltweit die häufigste Todesursache bei Infektionen.

Warum ist Sepsis so gefährlich?

Die Reaktion des Körpers auf die Entzündung führt zum Zusammenbruch des Blutkreislaufs und zum Abfall des Blutdrucks. Das beeinträchtigt die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff. Dadurch werden Organe wie Lunge, Herz, Niere oder Gehirn in Mitleidenschaft gezogen. Es kann zum Schock, Multiorganversagen und Tod kommen, vor allem, wenn Sepsis nicht früh genug erkannt und behandelt wird. Sepsis ist ein Notfall!

Wie erkenne ich eine Sepsis?

Die Symptome stehen zunächst im Zusammenhang mit der Infektion und ihrer Ursache: Fieber, evtl. Schüttelfrost, schneller Puls, eine erhöhte Atemfrequenz, sowie z.B. Husten bei einer Lungenentzündung oder Bauchschmerzen bei Blinddarmentzündung. Ein extremes Krankheitsgefühl, verfärbte Haut, Schläfrigkeit oder Verwirrtheit sowie schnelle, schwere Atmung bzw. Atemnot können Anzeichen einer beginnenden Organschädigung sein, die schnell zu Organversagen, septischem Schock und Tod führen kann. Bei Sepsis wird auch häufig ein Anstieg oder eine Abnahme der weißen Blutkörperchen im Blut beobachtet. Meist sind die Entzündungswerte im Blut erhöht.

Wenn Sepsis so gefährlich ist – warum habe ich noch nie von Sepsis gehört?

Wenn Menschen an einer Infektionskrankheit sterben, z.B. an einer Lungenentzündung, wird als Todesursache meist Lungenentzündung angegeben, obwohl die direkte Todesursache meist Sepsis ist. Wenn jemand aufgrund einer Sepsis nach einer schweren Verbrennung stirbt, wird die Todesursache meist als Komplikation des Verbrennungstraumas geführt. Weil Sepsis selten als Todesursache verzeichnet wird, ist dieses Problem vielen Menschen nicht bekannt. Diese herrschende Unwissenheit in der Bevölkerung ist unsere größte Sorge und die Sensibilisierung der Gesellschaft für Sepsis ist eines unserer wichtigsten Ziele.

Fragen zur Behandlung von Sepsis

Kann Sepsis behandelt werden?

Ja. Die ersten Stunden der Behandlung sind entscheidend. Patienten müssen möglichst in der ersten Stunde nach der Diagnose Sepsis Breitband-Antibiotika erhalten. Blutkulturen oder Abstriche vom mutmaßlichen Infektionsherd werden angelegt, um die Entzündungsursache zu ermitteln. Die Bestimmung des Laktats im Blut zeigt, ob der Kreislauf gestört ist. Patienten mit nicht ausreichendem Blutdruck und erhöhten Laktatwerten benötigen eine Infusion von Flüssigkeit. Je nach Schweregrad der Erkrankung kann eine Behandlung auf der Intensivstation nötig sein.

Wurde die Sepsis durch einen infizierten Fremdkörper verursacht (z.B. einen Blasenkatheter, eine durch die Bauchdecke geführte Ernährungssonde, eine künstliche Herzklappe), oder durch einen Stein im Nierenbecken oder einen Riss im Darm, so ist die Einnahme von Antibiotika allein nicht ausreichend. In diesem Fall muss auch der Infektionsherd bzw. der infizierte Fremdkörper so schnell wie möglich operativ entfernt werden.

Ist es normal, dass ich mich kraftlos und erschöpft fühle, nachdem ich eine Sepsis überlebt habe? 

Müdigkeit nach einer schweren Krankheit, einschließlich Sepsis, ist sehr häufig. Ihr Körper hat sehr viel durchgemacht. Er hat nicht nur eine Infektion bekämpft, sondern auch eine Sepsis, die zum Tod hätte führen können. Jetzt, wo der Körper die unmittelbare Gefahr durch Sepsis überstanden hat, brauchen Sie Ruhe, müssen Kraft tanken und Ihre Reserven wieder aufbauen. Sollten Sie sich weiterhin erschöpft fühlen, könnten sich auch andere Ursachen dahinter verbergen. Sie sollten Ihren Arzt aufsuchen, um sicherzustellen, dass andere Organe, wie z.B. die Schilddrüse, richtig arbeiten.

Um Ihren Körper zu unterstützen, sollten sie sich gesund und ausgewogen ernähren sowie genügend körperliche Bewegung bekommen. Körperliche Übungen sind nicht gerade einfach, wenn Sie sich erschöpft fühlen, aber wenn Sie es langsam angehen lassen, z.B. mit regelmäßigen Spaziergängen, sollte Ihre Energie allmählich wieder zurückkehren. Informieren Sie sich, inwieweit Ihnen gesundheitliche Rehabilitationsmaßnahmen zustehen. In einer solchen Rehabilitationsmaßnahme, die stationär oder ambulant durchgeführt werden kann, hilft Ihnen qualifiziertes Personal bei grundlegenden Übungen und überwacht Ihre Fortschritte.

Nach einer Sepsis leiden viele Menschen an kognitiven Defiziten wie Gedächtnisverlust und Konzentrationsschwäche. Sie haben Schwierigkeiten bei der Ausführung von geistigen Aufgaben, die vor der Erkrankung leicht fielen. Je älter ein Sepsis-Patient ist, desto größer scheint das Risiko zu sein, hinterher Probleme mit dem Gedächtnis zu bekommen.

Fragen zu Vorbeugung und Risikofaktoren der Sepsis

Wie kann ich eine Sepsis verhindern?

Am ehesten beugt man Sepsis vor, indem man Infektionen verhindert. Zwar gibt es keine spezifischen Impfstoffe gegen Sepsis, aber es gibt Impfungen gegen einzelne Sepsis-Erreger, z.B. Pneumokokken, Meningokokken und Influenza. Besonders kleine Kinder und Menschen über 65 Jahre sollten deshalb den Impfempfehlungen der Gesundheitsbehörden folgen, weil sie besonders anfällig für Infektionen sind. Dies betrifft auch Menschen, die ohne Milz zur Welt kamen, oder die ihre Milz durch einen Unfall, eine Operation oder durch aggressive Chemotherapie verloren haben.

Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und ausreichend Schlaf kann dazu beitragen, Infektionen zu verhindern. Achten Sie auf gute Handhygiene. Suchen Sie Ihren Arzt auf, wenn eine Erkrankung sich nicht bessert oder schlimmer wird.

Wenn Sie doch eine Infektion bekommen, können Sie eine Sepsis verhindern, indem Sie die Infektion richtig behandeln.

Das heißt:

  • Einnahme von Antibiotika wie vorgeschrieben
  • Abschluss der gesamten Antibiotika-Behandlung
  • Nie Antibiotika unnötig einnehmen – dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie gegen Antibiotika resistente Infektionen entwickeln
  • Keine Antibiotika von anderen einnehmen

Als medizinisches Fachpersonal können Sie dazu beitragen, im Krankenhaus erworbene Infektionen zu reduzieren, indem Sie das Patientensicherheitsprogramm der WHO befolgen.

Gibt es Risikofaktoren für Sepsis?

Sepsis kann jeden treffen, auch Personen, die zuvor vollkommen gesund waren. Jedoch sind Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie Diabetes, Krebs, HIV-Infektion, und Patienten mit vorangegangenen Chemotherapien oder einer Behandlung mit Kortikosteroiden aufgrund einer Immunsuppression anfälliger für Infektionen. Auch Frühgeborene, Menschen über 65 und Menschen ohne Milz sind besonders gefährdet.

Können auch kleine Wunden zu einer Sepsis führen?

Wenn sie zu einer generalisierten Entzündungsreaktion führen, können auch kleine Wunden Sepsis verursachen. Es gab Fälle von Sepsis, die durch kleine Risse am Mundwinkel verursacht wurden, durch die Bakterien von der Haut in das Kreislaufsystem dringen konnten.

Fragen zu Sepsis bei Kindern

Wie erkenne ich den Beginn einer Sepsis bei einem kleinen Kind?

Bei kleinen Kindern ist die Körpertemperatur erhöht, sie werden schläfrig, schwach und verlieren Muskeltonus. Sie atmen schwer, haben keinen Appetit und wirken häufig irgendwie verändert. Möglicherweise haben sie fleckige Haut und kalte Gliedmaßen. Wenn ein Kind eine Infektion hat, sich der Zustand dramatisch verschlechtert und mindestens zwei der genannten Symptome vorliegen, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder bringen Sie Ihr Kind in die Notaufnahme. Machen Sie den Arzt auf eine mögliche Sepsis aufmerksam.

Sind Frühgeborene anfälliger für eine Infektion und Sepsis?

Da das Immunsystem bei zu früh geborenen Babys noch nicht voll entwickelt ist, sind sie entsprechend anfälliger für Infektionen und Sepsis. Wenn ein Baby künstlich beatmet werden muss, weil die Lunge noch nicht ausgereift ist, ist dies eine lebensrettende Maßnahme. Jedoch besteht durch diese invasive medizinische Maßnahme auch das Risiko für eine Lungenentzündung. Dies gilt auch für andere invasive Maßnahmen, wie Venenkatheter oder andere Katheter, die frühgeborene Babys zum Überleben brauchen.

Was kann ich tun, um das Risiko für meine Kinder zu minimieren?

Sie sollten Ihre Kinder gemäß der allgemeinen Impfempfehlungen impfen lassen, da sie auf diese Weise gegen Infektionen mit verschiedenen Krankheitserregern geschützt sind, die z.B. Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und Grippe (Influenza) hervorrufen können. Insbesondere sollten solche Kinder umfassend geimpft werden, die ohne Milz zu Welt gekommen sind, Operationen oder aggressive Chemotherapien erhalten haben.

Fragen zu Sepsis in der Schwangerschaft, während oder nach der Geburt

Was ist eine Puerperalsepsis?

Wenn sich eine Sepsis während oder nach der Geburt oder nach einem Schwangerschaftsabbruch entwickelt, spricht man von puerperaler Sepsis, auch Kindbettfieber genannt.

Ist es wahr, dass Sepsis durch eine Infektion während der Geburt entstehen kann?

Wenn Sie in einem entwickelten Land leben, beträgt das Risiko einer Infektion während der Geburt ca. 1%, wobei sich nicht jede Infektion zur Sepsis weiterentwickelt. In Entwicklungsländern ist Sepsis jedoch die zweithäufigste Todesursache im Zusammenhang mit Geburten.

Wie unterscheidet sich Sepsis während der Schwangerschaft von einer Sepsis bei anderen erwachsenen Frauen?

Infektionen können während der Schwangerschaft häufiger sein und schwerer verlaufen, da im Körper der Frau bestimmte physiologische Veränderungen stattfinden. Einige Funktionen des Immunsystems einer schwangeren Frau – also das System, das Ihren Körper gegen Infektionen schützt – werden während der Schwangerschaft unterdrückt. Die Zunahme der Blutmenge im Körper der Schwangeren bewirkt, dass Herz, Lunge und Nieren stärker arbeiten müssen und Infektionen dadurch möglicherweise schwerer zu erkennen sind.

Ich bin schwanger. Was kann ich tun, um die Gefahr einer Sepsis zu verringern?

Die Vermeidung von Infektionen ist entscheidend, um das Risiko einer Sepsis zu reduzieren. Stellen Sie sicher, dass Sie alle empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Während dieser Untersuchungen werden Sie von ihrem Arzt auf häufige Infektionen getestet und im Fall einer Infektion behandelt. Sie werden darauf hingewiesen, wie Sie Infektionen vermeiden können und zu Impfungen und Ernährung beraten. Wenn Sie sich zu irgendeinem Zeitpunkt während der Schwangerschaft unwohl fühlen, wenden Sie sich an Ihren Arzt.

Kann ein Kaiserschnitt mein Sepsisrisiko senken?

Ganz im Gegenteil! Das Infektionsrisiko ist nach einem Kaiserschnitt viermal höher als bei einer normalen Geburt. Dies hängt hauptsächlich mit dem Risiko zusammen, an der Wundstelle eine Infektion zu entwickeln.

Was können Gesundheitseinrichtungen unternehmen, um das Risiko einer mütterlichen Sepsis zu minimieren?

Gesundheitseinrichtungen können eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherstellen, um das Risiko von Infektionen im Zusammenhang mit der Gesundheitsversorgung zu verringern. Dies bedeutet, dass die Einrichtungen sicherstellen sollten, dass bei jeder Geburt die Hygienevorschriften befolgt werden, dass es Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen gibt, sowie dass Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionen getroffen werden. Die Einrichtungen sollten außerdem sicherstellen, dass Eingriffe während der Geburt (z.B. Kaiserschnitt) auf das notwendige Minimum beschränkt werden.

Fragen zur Verwendung von Antibiotika bei Sepsis

Kann Sepsis in einem frühen Stadium erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden?

In den meisten Fällen ja. Wurde die Sepsis durch einen infizierten Fremdkörper verursacht (z.B. einen Blasenkatheter, eine durch die Bauchdecke geführte Ernährungssonde, eine künstliche Herzklappe), oder durch einen Stein im Nierenbecken oder einen Riss im Darm, so ist die Einnahme von Antibiotika allein nicht ausreichend. In diesem Fall muss auch der Infektionsherd bzw. der infizierte Fremdkörper so schnell wie möglich operativ entfernt werden.

Was ist bei der Antibiotika-Einnahme zu beachten?

Nehmen Sie die Antibiotika wie von Ihrem Arzt verschrieben ein. Besonders wichtig ist auch der Abschluss der gesamten Behandlung – setzen Sie das Medikament nicht eigenmächtig früher ab! Antibiotika sollten nur eingenommen werden, wenn dies unbedingt notwendig ist. Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass sich Keime entwickeln, die unempfindlich (resistent) gegen die vorhandenen Antibiotika sind.

Was kann man tun, wenn bei Sepsis kein Antibiotikum mehr eine Wirkung zeigt?

Leider existieren immer mehr Krankheitserreger, die sogar gegen sogenannte Reserve-Antibiotika resistent sind. Als einzige Maßnahme für den Patienten bleibt dann nur noch die intensivmedizinische Behandlung auf der Intensivstation. Dort werden die Organfunktionen aufrechterhalten, in der Hoffnung, dass das körpereigene Immunsystem die Ausbreitung der Erreger weiter verhindert. Allerdings kann vielen dieser Patienten auch mit diesen Maßnahmen nicht mehr geholfen werden.

Welchen Einfluss hat MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) auf eine Sepsis?

MSRA ist ein Sepsis-Erreger, der auf die Behandlung mit normalen Antibiotika nicht reagiert. Dieser Erreger ist verantwortlich für einige Sepsis-Fälle, aber nicht alle MRSA-Infektionen entwickeln sich zu einer Sepsis. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Sepsis zu sterben, ist bei Vorliegen von MRSA jedoch höher als bei anderen antibiotikaresistenten Keimen.