Alles über Schutzmasken

Im Bund-Länder-Beschluss vom 15.04.2020 wird u.a. „den Bürgerinnen und Bürgern die Nutzung entsprechender Alltagsmasken insbesondere im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkauf im Einzelhandel dringend empfohlen“.

Schon vor Wochen hatten das Nachbarland Österreich und die Stadt Jena eine Maskenpflicht in öffentlichen Einrichtungen eingeführt. Die nun bundesweit für Deutschland geltende Empfehlung basiert auf einer neuen Einschätzung des Robert Koch-Institutes (RKI), nach der „das Tragen sogenannter (nicht-medizinischer) Alltagsmasken oder Community-Masken in öffentlichen Räumen, in denen der Mindestabstand regelhaft nicht gewährleistet werden kann, das Risiko von Infektionen reduzieren kann. Sie schützen insbesondere die Umstehenden vor dem Auswurf von festen oder flüssigen Partikeln durch den (möglicherweise asymptomatischen, aber infektiösen) Träger der Masken.“

Maske ist nicht gleich Maske, welche unterschiedlichen Arten von Mund-Nasen-Schutz gibt es?

Man unterscheidet

  1. FFP2- und FFP3-Masken
  2. Chirurgischer Mundschutz („OP-Maske“)
  3. „Alltags“-Stoffmasken

FFP2- und FFP3-Masken sind für Klinikpersonal gedacht, das engen Kontakt mit COVID-19-Patienten hat. Die Masken besitzen einen Filter, der den Träger davor schützen soll, dass feinste, mit Virenpartikeln beladene Tröpfchen (Aerosole) in den Nasen-Rachenraum eindringen können. Sie dienen also dem Eigenschutz derer, die den ganzen Tag mit Infizierten umgehen.

Chirurgischer Mundschutz (OP-Maske) reduziert die Keimbelastung der durch den Träger eingeatmeten Luft. Diese Masken halten größere Partikel ab, verfügen aber nicht über einen Aerosol-Filter. Chirurgische Masken sollten ebenfalls Ärzten und Pflegekräften vorbehalten sein.

„Alltags“-Stoffmasken wirken im Prinzip wie das Husten oder Niesen in die Armbeuge: weniger Keime werden in der Luft verteilt, da sie durch Stoff aufgefangen werden. D.h. Erkrankte und vor allem unerkannt Infizierte können damit ihre Umgebung bedingt schützen; solche Masken schützen aber nicht den Träger vor einer Ansteckung. Stoffmasken lassen sich nicht richtig ans Gesicht anpassen, außerdem können Viren durch den Stoff dringen.

Vor dem Hintergrund des gravierenden Mangels an persönlicher Schutzausrüstung im Gesundheitswesen bestand bei einer Maskenpflicht für die Bevölkerung bisher die Sorge, dass die Bevölkerung dringend benötigte medizinische Schutzmasken aufkaufen könnte. Abgesehen vom Bedarf für das Klinikpersonal hat die Kassenärztlichen Bundesvereinigung beispielsweise errechnet, dass allein die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Frühjahr und Sommer dieses Jahres 115 Millionen chirurgische Masken und ca. 47 Millionen FFP2-Masken verbrauchen werden.

Mit der Empfehlung an die Bevölkerung, selbstgemachten Mund-Nasen-Schutz zu tragen, hat sich die Befürchtung des Verbrauchs dringend benötigter „professioneller“ Masken relativiert. Trotzdem wird weiterhin über das Für und Wider von Schutzmasken diskutiert.

Was sagen wissenschaftliche Studien zum Nutzen von Schutzmasken?

Bisher gibt es keine Studien, die einen Schutzeffekt von Masken beim neuen Coronavirus untersuchen. Fast alle verfügbaren Studien beziehen sich auf Grippe(Influenza)-Viren.

  • Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse aus dem Jahr 2017 mit methodisch sehr guter Datenauswertung zeigt keinen statistisch signifikanten Effekt des Tragens einer Maske zur Vorbeugung einer Influenza-Infektion, wenn man alle eingeschlossenen Studien zusammen betrachtet. Die Betrachtung der Einzelstudien ergibt dagegen ein gemischtes Bild.
  • Eine noch nicht begutachtete Metaanalyse, die kürzlich auf dem Preprint-Server medRxiv veröffentlicht wurde, zeigte ebenfalls keinen statistisch signifikanten Effekt des Maskentragens bezüglich des Risikos einer Infektion mit dem Grippevirus.
  • Eine weitere Metaanalyse konnte in den untersuchten Studien ebenfalls keinen Beleg dafür finden, dass das Tragen eines chirurgischen Mundschutzes durch die Bevölkerung in der Öffentlichkeit einen Effekt bezüglich einer Ansteckung mit dem Grippevirus hat.
  • Die Ergebnisse einer aktuellen Studie, die 246 Patienten mit viraler Atemwegserkrankung untersuchte, deuten darauf hin, dass die Verwendung chirurgischer Masken möglicherweise eine Übertragung von Influenza- und Corona-Viren durch erkrankte symptomatische Patienten verhindern könnte.
  • Eine Einzelstudie aus dem Jahr 2013, die den Effekt von chirurgischen vs. selbstgenähten Masken untersuchte, stellte fest, dass beide Arten von Masken die Zahl der von gesunden Probanden beim Husten ausgestoßenen Keime signifikant reduzieren konnte, wobei chirurgische Masken dreimal effektiver waren als selbstgemachte Exemplare.

Unter anderem hatte die unklare Studienlage zur Wirksamkeit von Masken als Schutz vor Ansteckung für die Bevölkerung das RKI zuvor bewogen, einen Mund-Nasen-Schutz für Gesunde nicht zu empfehlen. Zudem bestand die Befürchtung, dass das Tragen einer Maske falsche Sicherheit geben und dazu führen könnte, dass Abstands- oder Händehygieneregeln nicht eingehalten werden.

Was muss ich beim Tragen einer Maske beachten?

  • Auch mit Maske sind die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zum eigenen und zum Schutz von anderen Menschen eine gute Händehygiene, Einhalten von Husten- und Niesetikette und 2m Abstand halten!
  • Damit die Maske auch wirksam schützt, sollte sie korrekt sitzen, d.h. sie sollte eng um Mund und Nase anliegen. Ein Problem bei Stoffmasken ist das Fehlen eines metallenen Nasenbügels, der für den Träger passend zurechtgebogen einen engen Abschluss bewirkt.
  • OP-Masken müssen regelmäßig gewechselt werden, bei Durchfeuchtung und spätestens nach 6-8 Stunden Tragedauer. Stoffmasken sollten nach dem Tragen bei 90°C gewaschen werden.
  • Sehr wichtig ist auch, dass die Maske korrekt an- und abgelegt wird: Sie sollten nur mit gründlich gewaschenen Händen an den Trägerenden berührt, nach Gebrauch nach innen zusammengefaltet und in die Wäsche gegeben bzw. OP-Masken in einen geschlossenen Abfalleimer entsorgt werden. Danach sollten die Hände wiederum gründlich gewaschen werden.
  • Die Maske darf während des Tragens nicht (auch nicht unabsichtlich) mit den Händen berührt werden. Dies ist vor allem für Brillenträger, bei denen beim Tragen einer Maske häufig die Brillengläser beschlagen, und für schlecht oder lose sitzende Stoffmasken, Tücher und Schals ein Problem. Wenn daran herumgezupft wird, fasst man sich möglicherweise häufiger ins Gesicht als ohne Maske, und angelagerte Virenpartikel können von den Händen auf die Schleimhäute oder ins Auge gelangen und auf diese Weise eine Infektion verursachen.