COVID-19: Neue Erkenntnisse zum Nutzen von Alltagsmasken

Zu Beginn der Pandemie war der Nutzen einer Mund-Nasen-Bedeckung als Schutz vor Ansteckung mit SARS-CoV2 umstritten, da die wissenschaftliche Evidenz für diese Maßnahme uneindeutig bzw. für SARS-CoV2 nicht vorhanden war (siehe Beitrag vom 22.04.2020 „Alles über Schutzmasken“). Das Robert Koch-Institut änderte erst Mitte April seine Meinung hierzu, woraufhin am 15.04.2020 eine generelle Empfehlung zum Maskentragen für die Bevölkerung in öffentlichen Einrichtungen, Geschäften und im ÖPNV von der Bundesregierung ausgesprochen und bis Ende April in allen Bundesländern umgesetzt wurde.

Mittlerweile gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Hauptübertragungswegen von SARS-CoV2, die zeigen, warum das Tragen einer Maske tatsächlich vor Ansteckung und Weiterverbreitung des Virus schützen kann. Eine Fallstudie der Stadt Jena, die besonders früh eine allgemeine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit eingeführt hatte, zeigt außerdem den möglichen Effekt dieser Maßnahme auf die Reduktion der Zahl der infizierten Fälle, der offenbar umso größer ist, je früher mit der Einführung der Maskenpflicht begonnen wird. Diese Ergebnisse geben wichtige Hinweise darauf, welche Verhaltensmaßnahmen bei einer möglicherweise im Herbst/Winter zu erwartenden zweiten Infektionswelle wichtig wären.

Verbreitung von SARS-CoV2 als Aerosol

Ein großer Teil der Ausbreitung von SARS-CoV2 scheint durch Aerosole zu erfolgen, die von asymptomatischen, aber infizierten Personen beim Atmen und Sprechen produziert werden. Aerosole können sich ansammeln, in der Raumluft über Stunden hinweg infektiös bleiben und schnell tief in die Lunge eingeatmet werden. Damit das öffentliche Leben wieder in Gang kommen kann, müssen daher Maßnahmen zur Reduzierung der Aerosolübertragung ergriffen werden.  Dies beinhaltet vor allem eine universelle Maskenpflicht und regelmäßige Tests zur Identifizierung und Isolierung infizierter asymptomatischer Personen. (1)

Fallstudie Jena

In Jena wurde am 29./30.03.2020 eine öffentliche Kampagne zum Tragen von Masken gestartet. Am 06.04.2020 wurde eine Maskenpflicht in öffentlichen Einrichtungen und im ÖPNV in der Stadt eingeführt. Eine Simulationsstudie hat einen erheblichen Effekt dieser Maßnahmen auf die Ausbreitung des Virus in der Stadt Jena gezeigt. Demnach ist die kumulierte Fallzahl an SARS-CoV2-Infizierten 20 Tage nach der Einführung der Maskenpflicht in Jena von 142 auf 158 gestiegen, während sie in einer simulierten Vergleichsregion ohne Maskenpflicht von 143 auf 205 angestiegen ist. Dies entspricht einer Reduktion der Fallzahlen um rund 23 Prozent. (2)

Quellen:

1 Prather, K. A., C.C. Wang and R. T. Schooley (2020), Reducing transmission of SARS-CoV-2, Science 10.1126/science.abc6197

2 Mitze, T, R Kosfeld, J Rode and K Wälde (2020), Face masks considerably reduce COVID-19 cases in Germany: A synthetic control method approach, COVID Economics: Vetted and Real-Time Papers 27: 74–103.