COVID-19-Spätfolgen: Genesen, aber nicht geheilt?

Mit zunehmender Dauer der Pandemie klagen immer mehr Menschen über Spätfolgen ihrer COVID-19-Erkrankung. Große wissenschaftliche Studien dazu fehlen bisher, erste Ergebnisse zeigen jedoch eine eindeutige Tendenz: Für eine nicht unerhebliche Anzahl an Patienten endet COVID-19 nicht nach Abklingen der akuten Symptome. Noch nach Wochen sind sie nicht vollständig genesen.

Eine Studie aus Italien befragte 143 Personen etwa einen Monat nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus erneut über Symptome. 87% litten zu diesem Zeitpunkt immer noch unter Fatigue (53%), Kurzatmigkeit (43%), Gelenkschmerzen (27%) oder anderen Spätfolgen.

Ein Film von report München zeigt einen Betroffenen, der noch nach Wochen an Kreislaufproblemen, Schwindel und Schwächeanfällen leidet, und dies, obwohl er während seiner COVID-19-Erkrankung nicht im Krankenhaus behandelt werden musste.

Daten des King’s College London deuten darauf hin, dass einer von zehn COVID-19-Überlebenden noch nach drei Wochen oder länger an Spätfolgen leidet. Dazu gehören Fatigue, Kopfschmerzen, Husten und andere.

Die am 18. Mai erstellte Facebook-Gruppe „COVID-19 Langzeitbeschwerden“ hat bereits 491 Mitglieder (Stand 19.08.2020).

All dies deutet darauf hin, dass Spätfolgen nach COVID-19 kein Einzelfall sind, sondern viele Menschen betreffen. Bisher verstehen wir noch nicht vollständig, warum das so ist, ob und wann die Betroffenen die Folgeschäden überwinden und wie man ihnen effektiv helfen kann. Dazu ist weitere Forschung nötig.

Am Uniklinikum Jena wurde inzwischen die in Thüringen einzige COVID-19-Ambulanz für Folgeschäden eröffnet. In der neuen Post-COVID-Ambulanz agieren Experten unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen: Neurologen, Kardiologen, Pneumologen, Psychiater, Gastroenterologen, Arbeitsmediziner. Nach einer ausführlichen Anamnese und Diagnostik wird für jeden Patienten ein individuelles Therapiekonzept zusammengestellt.