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EINLADUNG: Sepsis – A Call to EU Action

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Am Dienstag, dem 20. März 2018, wird unsere Partner-Organisation – die Global Sepsis Alliance – gemeinsam mit dem EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, die Veranstaltung „Sepsis – The Most Preventable Cause of Death and Disability in Europe – A Call to EU Action“ in Brüssel ausrichten.
Die Veranstaltung findet von 14:30 bis 20:00 Uhr im Palace of the Académies (Rue Ducale 1, 1000 Brüssel) statt, der sowohl von der Europäischen Kommission als auch vom Square Meeting Center, wo das 38. International Symposium of Intensive Care and Emergency Medicine/ISICEM stattfindet, zu Fuß erreichbar ist.

Diese Veranstaltung wird die menschliche und wirtschaftliche Belastungen durch Sepsis in Europa hervorheben, darauf hinweisen, dass die meisten Sepsis-Todesfälle und Beeinträchtigungen vermeidbar sind, die Umsetzung der Forderungen der WHO-Resolution zur Sepsis in der Europäischen Union fördern und die Entwicklung einer Europa-umfassenden Sepsis-Strategie erörtern. Darüber hinaus wird dieses Symposium als Auftaktveranstaltung für die European Sepsis Alliance dienen. Aufgrund begrenzter Sitzplatzkapazität, melden Sie sich bitte unter folgendem Link bei der Veranstaltung an. Wir freuen uns darauf, Sie am 20.März 2018 in Brüssel begrüßen zu können!

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Grippe als Ursache für Sepsis – unterschätzt und häufig verkannt

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Jena 05.03.2018.
Dass sich die saisonale Grippe zu einer tödlichen Sepsis/Blutvergiftung entwickeln kann, ist ebenso wenig bekannt, wie die Effektivität von Mehrfachimpfstoffen gegen Grippeviren und die Erreger der Lungenentzündung.

Sepsis ist die schwerste Komplikation und gemeinsame tödliche Endstrecke von Grippe und den meisten akuten Infektionserkrankungen. Dies erklärt die über 320.000 Behandlungs- und 75.000 Todesfälle der Sepsis, die 2015 von den deutschen Krankenhäusern gemeldet wurden. Sepsis gehört damit zu den größten medizinischen und gesundheitspolitischen Herausforderungen.

In der Grippesaison 2017/18 ist bisher die Zahl der in Deutschland registrierten Fälle auf fast 120.000 gestiegen. Die Dunkelziffer ist hoch und mit einem weiteren Anstieg ist zu rechnen. Die Zahl der Todesfälle schwankt von Grippesaison zu Grippesaison. In der Saison 2012/13 war die Zahl der mit Grippe assoziierten Todesfälle mit 22.000 – 28.000 in Deutschland besonders hoch. Das Grippevirus alleine ist dabei in der Lage eine tödliche Sepsis auszulösen.
Bei 80% – 90% der geschätzten 22 – 50 Millionen Grippetoten, die durch die „Spanischen Grippe“ (1918-20) ums Leben kamen, wurde eine bakterielle Superinfektion durch Erreger der Lungenentzündung nachgewiesen. Heute ist wissenschaftlich gesichert, dass das Grippevirus die Abwehrkräfte des Lungen-gewebes gegen Bakterien erheblich schwächt. Damit wird eine Superinfektion, welche sich zu einer Sepsis entwickelt, begünstigt.

Vorbeugung gegen Grippe und Sepsis wird unzureichend genutzt.
Impfungen bei Risikogruppen gegen Grippe und Pneumokokken, den häufigsten Erregern einer Lungenentzündung, können die Anzahl von Krankenhaus-einweisungen, schweren Lungenentzündungen und die Überlebenschancen verbessern. Die Impfrate für Risikogruppen, zu denen Menschen über 60 Jahren und chronisch Kranke sowie immungeschwächte Menschen gehören, liegt deutschlandweit unter der von der WHO empfohlenen Rate von mindestens 70%.

Das Fortschreiten einer Grippe zur Sepsis wird oft verkannt.
Kommen zu den typischen Grippesymptomen hohes Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Abgeschlagenheit, Erbrechen, Durchfall und eines/mehrere der folgenden Frühzeichen einer Sepsis hinzu, besteht ein potentiell lebensbedrohlicher Zustand, der eine sofortige notfallmäßige Abklärung und Behandlung erfordert.

•Akute Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit
•Nie gekanntes, schwerstes Krankheitsgefühl
•Kurzatmigkeit
•kalte oder heiße Extremitäten
•Schneller Puls
•Rückläufige Urinausscheidung

Prof. Dr. Konrad Reinhart, Senior-Professor am Center for Sepsis Control & Care am Universitätsklinikum Jena fordert: „Zur Grippe- und Sepsisvermeidung und Früherkennung müssen seitens der Bundesregierung und aller anderen Verantwortungsträger im Gesundheitswesen die gleichen, flächendeckenden Anstrengungen unternommen werden, die sich bei der Vorbeugung und Früherkennung von AIDS und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen als sehr effektive erwiesen haben.“


Durchbruch – WHO macht Sepsis mit Resolution zum Schwerpunktthema

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GENF/JENA – Sepsis, eine der häufigsten, jedoch oft fehldiagnostizierten tödlichen Erkrankungen, wurde am 26.05.2017 von der World Health Assemby (WHA), dem Entscheidungsorgan der Weltgesundheitsorganisation (WHO), als vorrangig zu bekämpfendes Gesundheitsproblem eingestuft.

Mit der Resolution zur „Verbesserung der Prävention, Diagnose und Behandlung der Sepsis“ folgte die WHO/WHA einer langjährigen Forderung der Global Sepsis Alliance und der World Sepsis Tag Bewegung. Aufgrund eines Antrags von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, der von zahlreichen Ländern und dem WHO Executive Board unterstützt wurde, verabschiedete die WHA auf ihrem 70. Treffen in Genf diese Resolution.

Sepsis, oft als “Blutvergiftung” bezeichnet, ist ein lebensbedrohlicher Zustand, der entsteht, wenn die körpereigene Abwehrreaktion gegen eine Infektion das eigene Gewebe und die eigenen Organe schädigt.

70th World Health Assembly, Geneva

Mit dieser Resolution fordert die WHA die 194 UN-Mitgliedsstaaten auf, angemessene Maßnahmen einzuleiten, damit weniger Menschen an Sepsis erkranken, erkrankte Patienten schneller und besser behandelt werden und die Kosten für die Gesundheitssysteme sinken. Mit über 24 Milliarden USD pro Jahr ist Sepsis in den USA zum größten Kostenfaktor bei den Krankenhauskosten geworden. Mit 7,8 Milliarden sind die Behandlungskosten in Deutschland vergleichbar hoch. „Sepsis – egal ob außerhalb und innerhalb des Krankenhauses erworben – stellt eine enorme globale Belastung dar. Schätzungsweise 31 Millionen Menschen erkranken jedes Jahr an Sepsis; bei sechs Millionen dieser Patienten führt die Sepsis zum Tod. Daher möchte ich den Mitgliedstaaten diese Resolution und die darin aufgeführten notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung dieser schockierenden Zahlen nachdrücklich empfehlen“, sagt die Generaldirektorin der WHO Dr. Chan.

Dennoch ist das Krankheitsbild kaum bekannt. Prof. Konrad Reinhart, Vorsitzender der Global Sepsis Alliance und Seniorprofessor am Universitätsklinikum Jena, erklärt: „In Deutschland ist die Sterblichkeit im Vergleich zu einigen anderen Industrieländern überdurchschnittlich hoch. Sepsis fordert inzwischen mehr Todesopfer pro Jahr als Darm- und Brustkrebs und AIDS zusammen und ist die Nummer eins bei den vermeidbaren Todesfällen. Diese Resolution ist deshalb ein Meilenstein zur Erhöhung der Patientensicherheit auf der ganzen Welt.“

Die Sepsis-Resolution enthält u.a. folgende Forderungen und Fakten:

  1. Die Information, dass jedes Jahr weltweit sechs Millionen Menschen an Sepsis sterben und die Mehrzahl dieser Todesfälle vermeidbar ist;
  2. Den Hinweis, dass Sepsis als systemische Entzündungsreaktion auf eine Infektion weltweit die häufigste Todesursache bei Infektionskrankheiten darstellt;
  3. Die Feststellung, dass Sepsis die lebenswichtigste Indikation für den verantwortungsvollen Einsatz effektiver Antibiotika darstellt und dass das Versäumen einer angemessenen und rechtzeitigen klinischen Behandlung der Sepsis – einschließlich wirksamer Antibiotika – fast immer tödlich ist;
  4. Den dringenden Appell an alle UN-Mitgliedstaaten, Maßnahmen zur Sepsisprävention zu fördern, z.B. hygienischere Geburtsbedingungen, Maßnahmen zur Infektionsprävention bei chirurgischen Eingriffen, verbesserte Sanitärbedingungen und sauberes Wasser;
  5. Den Hinweis, dass viele Krankheiten, die durch eine Impfung verhindert werden könnten, maßgeblich zu steigenden Sepsiszahlen beitragen, und dass die Mitgliedstaaten effektive und kostengünstige neue Impfstoffe in ihre nationalen Impfprogramme integrieren sollten;
  6. Den eindringlichen Hinweis, dass Sepsis ein medizinischer Notfall ist, der unverzügliches Handeln erfordert, und dass sowohl medizinische Laien als auch Fachpersonal besser auf diesem Gebiet informiert, bzw. ausgebildet sein sollten;
  7. Die Forderung an die UN-Mitgliedstaaten, Forschungsprojekte zu fördern, die auf die Entwicklung innovativer Methoden für die Vorbeugung, Diagnose und Behandlung der Sepsis abzielen;
  8. Die Betonung der Notwendigkeit, in der Kommunikation mit Patienten, Angehörigen und anderen Gesprächspartnern konsequent der Begriff “Sepsis” zu verwenden, um den Bekanntheitsgrad der Erkrankung weiter zu steigern und dass der Welt-Sepsis-Tag, der jedes Jahr am 13. September stattfindet, hierzu gut geeignet ist;
  9. Den Bedarf an integrierten, ganzheitlichen Ansätzen zur Prävention und klinischen Behandlung der Sepsis einschließlich des Zugangs zu angemessener Gesundheitsversorgung für Überlebende, die oft an schwerwiegenden Folgen leiden;
  10. Die Forderung, die „International Classification of Diseases“ der WHO so zu optimieren, dass damit die Häufigkeit und Art, der die Sepsis auslösenden Infektionen von Sepsis besser dokumentiert werden kann, da diese für die Entwicklung faktenbasierter Strategien durch die politischen Entscheidungsträger von Wichtigkeit ist.

Vertreter der WHO werden gemeinsam mit der GSA eine Task Force bilden, um die Umsetzung der Forderungen dieser Resolution, die für alle 194 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verbindlich sind, zu unterstützen.

Die Resolution fordert den Generaldirektor auf, 2018 und 2020 dem Executive Board der WHO über den Umsetzungsgrat der Resolution in den einzelnen Mitgliedsstaaten zu berichten.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Konrad Reinhart ML
Seniorprofessor Universitätsklinikum Jena und Chair Global Sepsis Alliance
konrad.reinhart@med.uni-jena.de

Patientensicherheit in der Versorgung von Sepsis: Yes, we can!

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Die Patientensicherheit stand im Mittelpunkt des Gipfels der Gesundheitsminister in Bonn, dem Patient Safety Summit. Hier versammelten sich am 29. und 30. März dreihundert hochrangige Vertreter und Experten aus Politik, Medizin und Wissenschaft. Einleitend wurde eine Studie vorgestellt, laut der 15% der Krankenhausausgaben in OECD-Ländern auf Behandlungsfehler zurückgehen. Ein erheblicher Teil dieser Last entsteht durch Infektionen, deren schlimmste Verlaufsform eine Sepsis ist, sowie durch falsch oder zu spät gestellte Diagnosen.

Im Mai schon folgt die nächste wichtige Etappe für die Patientensicherheit auf der politischen Weltbühne. Dann werden 194 Staaten im World Health Assembly über eine internationale Resolution zur „Verbesserung der Prävention, Diagnose und Behandlung von Sepsis“ abstimmen. In dieser Resolution bringt die WHO ihre Sorge zum Ausdruck, dass die Mehrheit der jährlich über 6 Millionen Sepsis-Toten weltweit durch Früherkennung, Impfung und Beachtung der Hygienestandards vermeidbar wäre.

Aktuelle Studien zur Qualitätsverbesserung in der Patientenversorgung in den USA und Deutschland untermauern das Potenzial einheitlicher und verbindlicher Standards als lebensrettende Maßnahme. Am Universitätsklinikum Greifswald ließ sich über den Zeitraum von siebeneinhalb Jahren eine Reduzierung der Sepsis-Sterblichkeit von 59,3 auf 38,1% erzielen. Wie wirksam eine Verbesserung der Diagnose und die Einhaltung von Therapiestandards in Krankenhäusern sind, konnte bereits im US-Bundesstaat New York gezeigt werden. Im Jahr 2013 traten dort die sogenannten „Rorys Regulations“ in Kraft und mit ihnen verbindliche, evidenzbasierte Protokolle zur Früherkennung und Behandlung von Sepsis. In weniger als drei Jahren ging die Sepsis-Sterblichkeit von 30,2 auf 25,4 % zurück. Trauriger Weckruf und Anstoß für die Bemühungen um die Patientensicherheit in New York war der tragische Tod des zwölfjährigen Rory Staunton, nach dem auch eine Stiftung benannt wurde.

Konrad Reinhart, Vorstandsvorsitzender der Sepsis-Stiftung, mit Margaret Chan, Generaldirektorin der WHO in Bonn