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Coronavirus und Sepsis

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Momentan ist das Coronavirus in aller Munde. In den meisten Fällen verläuft die Erkrankung eher mild mit erkältungsähnlichen Symptomen. Die wenigsten wissen jedoch, dass sich bei schweren Krankheitsverläufen, ähnlich wie bei der Virus-Grippe (Influenza), eine Sepsis entwickeln kann. Dies betrifft vor allem ältere und chronisch kranke Personen.

Am 15. Februar 2020 wurde in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ erstmals der Krankheitsverlauf von 99 schwerer erkrankten Patienten beschrieben (Link zur Studie). Die Hälfte von ihnen hatte mindestens eine chronische (Vor-)Erkrankung. Bei drei Viertel der Erkrankten hatte sich aus der Infektion mit dem Coronavirus eine beidseitige Lungenentzündung entwickelt. 11% der Patienten verstarben an einer Sepsis.

Mittlerweile ist die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung des Virus von der WHO anerkannt worden und die Gesundheitsbehörden der einzelnen Länder haben Empfehlungen zur Umsetzung von Gegen- und Schutzmaßnahmen erhalten.

Was kann jeder Einzelne tun, um sich vor einer Ansteckung zu schützen?

  • Handhygiene: Hände mehrmals täglich gründlich (20 – 30 Sek.) mit Wasser und Seife waschen, v.a. beim Nachhausekommen, nach dem Toilettengang oder Kontakt mit Tieren oder Abfall, vor dem Essen und vor bzw. während des Kochens
  • Husten oder Niesen von anderen Menschen abgewandt in die Armbeuge oder in ein Einwegtaschentuch, und das möglichst schnell in einen geschlossenen Mülleimer entsorgen
  • Abstand halten von Personen mit Atemwegserkrankungen (min. 1-2 m)
  • Atemmasken helfen bereits Infizierten, das Virus nicht weiterzuverbreiten. Sie schützen Gesunde aber vermutlich nicht vor einer Ansteckung durch Tröpfcheninfektion. Sie können jedoch verhindern, dass man sich mit der Hand ins Gesicht fasst und auf diese Weise Keime über eine sogenannte Schmierinfektion überträgt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter https://www.infektionsschutz.de/coronavirus-SARS-CoV-2.html sowie auf der Website des Robert Koch-Instituts unter https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html.

Fakten zum neuen Coronavirus 2019-nCoV

• Das Virus vermehrt sich v.a. im Rachenraum und wird durch Tröpfchen- und Schmierinfektion von Mensch zu Mensch übertragen.
• Die Inkubationszeit beträgt bis zu 14 Tage.
• Bei ansonsten Gesunden läuft die Infektion meist ab wie bei einer normalen Erkältung.
• Schwere Krankheitsverläufe, die auch eine Sepsis bis hin zum septischen Schock verursachen können, treten vor allem bei älteren Menschen mit chronischen Vorerkrankungen und immungeschwächten Patienten auf.
• Es gibt derzeit keine spezifische Therapie gegen das Virus, es können nur die jeweiligen Symptome behandelt werden.
• An einem Impfstoff wird derzeit mit Hochdruck geforscht. Aber selbst wenn dieser im Jahr 2020 bereits getestet werden könnte, stünde er nicht sofort flächendeckend zur Verfügung.

Einladung zum 3. Jahrestreffen der European Sepsis Alliance

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Die im März 2018 gegründete European Sepsis Alliance (ESA) lädt alle Interessierten am 23.03.2020 herzlich zum 3. Jahrestreffen nach Brüssel ein. Auch diesmal werden wieder Betroffene und Experten aus verschiedenen Ländern zu Wort kommen und darüber diskutieren, wie wir in Europa besser mit Diagnose, Behandlung und Rehabilitation von Sepsis-Erkrankungen umgehen können.

Das Programm finden Sie hier. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei, eine kurze Anmeldung ist erforderlich.

Neue Studie zeigt: Zahl der Sepsisfälle doppelt so hoch wie bisher angenommen

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Eine neue Studie mit den bislang umfassendsten Daten zur Häufigkeit von Sepsis und Sepsis-Todesfällen wurde heute in der Zeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht. Sie zeigt, dass die Krankheitslast durch Sepsis doppelt so hoch ist wie bisher geschätzt, und dass 20 Prozent aller Todesfälle weltweit auf Sepsis zurückzuführen sind.

Die Studie „Global, regional, and national sepsis incidence and mortality, 1990–2017“ liefert erstmals Daten zu Alter, Geschlecht, Region und den zugrundeliegenden Ursachen der Sepsis. Demnach gab es 2017 weltweit 48,9 Millionen Sepsisfälle und 11 Millionen Sepsistote. Bisherige Schätzungen waren von 19,4 Millionen Krankheitsfällen und 5,3 Millionen Todesfällen ausgegangen. Damit sind die tatsächlichen Zahlen mehr als doppelt so hoch.

Prof. Dr. Konrad Reinhart, Mitautor der Publikation und Vorsitzender der Sepsis-Stiftung, betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung eines Nationalen Sepsisplans, um die Forderungen der WHO-Sepsis-Resolution (Link, Seite 11) umzusetzen.

Die Pressemitteilung der Sepsis-Stiftung zur Global Burden of Sepsis-Studie finden Sie hier. Einen umfangreichen Artikel mit vielen Hintergrundinformationen finden Sie bei Spektrum.

Vortrag eines Betroffenen

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Frank Köhler erlitt 2014 einen septischen Schock. Bis heute kämpft er mit den Spätfolgen. Deshalb organisiert er in der Deutschen Sepsis-Hilfe e.V. als Leiter der Regionalgruppe Mitte regelmäßig Treffen für Betroffene. Im Austausch mit anderen wurde ihm klar, dass sehr viele Überlebende an Spätfolgen leiden und dass das Wissen darüber bei Ärzten noch zu wenig verbreitet ist.

Mit seinem Vortrag „Erfahrungsbericht über die Spätfolgen nach einer überlebten Sepsis“ möchte Herr Köhler deshalb Ärzte, medizinisches Fachpersonal und andere Interessierte einladen, sich mit den Folgeschäden nach einer Sepsis, ihrer Wahrnehmung und möglichen Therapie zu beschäftigen.

Am 18.11.2019 hielt er diesen Vortrag bereits im Rahmen der Mikrobiologisch-Infektiologischen Fortbildung der Universitätsmedizin Rostock und erhielt dort eine sehr positive Resonanz. Gern steht Herr Köhler auch anderen Kliniken und Gesundheitseinrichtungen als Referent zur Verfügung (Empfehlungsschreiben). Für einen Blick in den Vortrag klicken Sie auf nebenstehendes Bild. Bezüglich einer Vortragsanfrage wenden Sie sich direkt an Herrn Köhler (Mailadresse in den Vortragsfolien).

Sepsis-Vortrag in Freiburg am 18.12.2019

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Das Universitätsklinikum Freiburg und die Sepsis-Stiftung laden herzlich zu einem gemeinsamen Informationsvortrag zum Thema Sepsis ein. Der Vortrag richtet sich an alle Interessierten, Patienten und Angehörige. Themen sind Vorbeugen, Erkennen und Behandeln einer Sepsis (Blutvergiftung).

Eine Sepsis ist die schwerste Komplikation einer Infektion. In Deutschland treten jährlich ca. 320.000 Sepsisfälle auf. Mit 77.000 Todesfällen ist Sepsis damit die dritthäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs. Bei rechtzeitiger Therapie wären viele dieser Todesfälle vermeidbar. Da die meisten Sepsis-Fälle außerhalb des Krankenhauses entstehen, ist es wichtig, die Symptome zu kennen und im Verdachtsfall schnell zu handeln.

Treffen der Sepsis-Hilfe in Leipzig

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Etwa 25 Sepsis-Betroffene, Angehörige und Interessierte trafen sich am vergangenen Samstag (16.11.2019) im Zentrum von Leipzig, um sich über kognitive Schäden nach Sepsis auszutauschen. Frau Dr. Gundula Seidel (Psychologin, Moritz Klinik Bad Klosterlausnitz) gab Einblicke in aktuelle Forschungen zu Hirnschädigungen nach Sepsis. Die Frage, ob es strukturelle Veränderungen gibt, sei demnach nicht leicht zu beantworten. Allerdings seien im Gruppenvergleich Unterschiede zu gesunden Probanden nachweisbar. Sehr interessant war auch, dass es Hinweise darauf gibt, dass die Hirnalterung bei Sepsis-Patienten schneller voranschreitet.

Im Anschluss sprach Frau Dr. Angelika Thöne-Otto (Leitende Neuropsychologin, Kognitive Neurologie Leipzig) über die Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit nach einer Sepsis. Sie betonte, dass ein multifaktorielles Geschehen vorliegt: Veränderungen in Gehirn und Körper, Nebenwirkungen von Medikamenten, das auf der Intensivstation Erlebte, Unverständnis aus dem sozialen Umfeld und andere Faktoren beeinflussen die Leistungsfähigkeit nach einer Sepsis. Im zweiten Teil ihres Vortrags erläuterte Frau Thöne-Otto, was man selbst tun kann. So sind Achtsamkeit und die Anpassung an die veränderte Leistungsfähigkeit – z.B. durch Pausenmanagement – wichtige Instrumente, um mit kognitiven Einschränkungen gut umzugehen.

Herr Köhler sprach anschließend über eine erste Auswertung eines von ihm entwickelten Fragebogens zu Sepsis-Folgen. Demnach leidet ein Großteil der Befragten an kognitiven Einschränkungen, bei vielen sind sie jedoch weder diagnostiziert noch behandelt worden. Außerdem fehlt bisher eine Aufklärung über Sepsisfolgen von medizinischer Seite sowie eine Sepsis-bezogene Nachsorge. In der nachfolgenden Diskussion wurde deutlich, dass sich viele Sepsis-Überlebende von Ärzten und Therapeuten, teils aber auch von ihrem sozialen Umfeld nicht verstanden fühlen. Wenn keine sichtbaren Schäden vorliegen, gibt es oft nur wenig Verständnis. Ein Teilnehmer formulierte es so: „Unseren Rollstuhl sieht ja keiner“.

Da kognitive Einschränkungen nach einer Sepsis häufig nicht erkannt werden und zudem oft lange oder lebenslang bestehen bleiben, ist es enorm wichtig, in diesem Bereich mehr Forschung und Aufklärungsarbeit zu leisten. Aber auch der Austausch zwischen Betroffenen ist eine gute Möglichkeit, sich zu unterstützen und im Gespräch mit Gleichgesinnten Strategien und Verständnis zu finden. Das wurde einmal mehr bei diesem interessanten Treffen in Leipzig deutlich.