Deutschland versagt beim Kampf gegen Sepsis.  

12. 08. 2019. Inzwischen liegen drei hochrangig publizierte Studien zur Effektivität der sogenannten Rory Staunton Regulations, die 2013 im Staat New York, USA, angeordnet wurden, vor. Die Studien zeigen, dass sich mit jeder Verzögerung der Therapie die Sterblichkeit im Stundentakt erhöht und Sepsis daher als Notfall behandelt werden muss [Seymour et al, NEJM, 2017]. Die Sterblichkeit durch Sepsis bei Erwachsenen ging in New York stärker zurück als in den Bundestaaten, in denen diese Maßnahmen nicht als verpflichtend implementiert wurden [Kahn et al, JAMA, 2019]. Bei Kindern bis 17 Jahren reduzierte sich die Krankenhaussterblichkeit durch die konsequente Umsetzung der Maßnahmen von 13,2% auf 7,5% [Evans et al, JAMA, 2018]. Im Vergleich dazu ist die Sterblichkeit in dieser Altersgruppe in Deutschland nach einer Erhebung von Fleischmann et al. aus dem Center for Sepsis Control and Care in Jena 17,2% (1). Auch bei den Erwachsenen liegt die Sterblichkeit in Deutschland mit 41,7% viel höher als im Vergleich zu Australien mit 18,4%, den USA mit 24% und England mit 32,1% [Fleischmann-Struzek et al, Intensive Care Med, 2018].

Die WHO geht davon aus, dass die Mehrheit der Sepsistoten vermieden werden kann (WHO-Resolution) und fordert dazu auf, dass alle Länder nationale Strategien zur Vermeidung und Früherkennung einer Sepsis entwickeln. Da auch in Deutschland jährlich bis zu 20.000 Sepsisfälle vermieden werden könnten, fordert seit 2013 auf Initiative der Sepsis-Stiftung ein breites Bündnis aus Fachgesellschaften, Betroffenenorganisationen und akademischen Einrichtungen einen nationalen Sepsisplan. 2017 wurde unter der Schirmherrschaft des Aktionsbündnis Patientensicherheit diese Forderung erneuert. Auf Grund eines Kompetenzgerangels zwischen Bund und Ländern blieb der im Juni 2018 einstimmig verabschiedete Wunsch der Gesundheitsministerkonferenz, am Robert Koch-Institut eine Expertenkommission zur Umsetzung der Forderungen der o.g. WHO Resolution in Deutschland einzusetzen, bisher folgenlos.  „Die Untätigkeit der Politik ist aus Sicht der Bürger- und Fachexperten absolut inakzeptabel“ beklagt Professor Reinhart, Vorsitzender der Sepsis-Stiftung. Weil die politischen Entscheidungsträger in einer Reihe anderer Länder erkannt haben, dass Sepsis sowohl bei den Krankenhauskosten als auch bei der Zahl der vermeidbaren Todesfälle den ersten Rang einnimmt, wurden z.B. in den USA, England, Irland, Saudi-Arabien und selbst im Sudan nationale Strategien zur Vermeidung und Früherkennung entwickelt. Für weitere Informationen besuchen Sie unsere Website unter www.sepsis-stiftung.de.

  1. Fleischmann-Struzek C, Mikolajetz A, Born S, Schwarzkopf D, Thomas-Rueddel DO, Reinhart K. Nationwide Age-specific Infection and Sepsis Mortality in Hospitalized Children in Germany. Abstract ESICM 2019