Die Folgen einer Sepsis: Therapien, Traumata, Rehamaßnahmen

Wenn eine Sepsis überstanden ist, haben Patienten meistens langwierige Therapien und einen langen Leidensweg vor sich. Nach Erfahrungen wie langem Koma, Amputationen und erschöpfenden Krankenhausaufenthalten bleibt das Leben für viele für immer verändert.

Sepsis: Der Körper im absoluten Ausnahmezustand

Während einer schweren Sepsis oder eines septischen Schocks befindet sich der menschliche Körper im absoluten Ausnahmezustand. Starke innerliche Entzündungsreaktionen und Toxine können Organe direkt schädigen sowie Blutgerinnsel und den Zusammenbruch des Blutkreislaufs hervorrufen. Organe und periphere Gliedmaßen werden dann nicht mehr optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Während Pflegepersonal und Ärzte um das Leben des Patienten ringen, konzentriert sich ein Großteil der Intensivtherapie nicht nur auf die Bekämpfung der Infektion, sondern auch auf die Unterstützung der Organfunktionen. Denn sollten gleichzeitig mehrere wichtige Organe versagen, besteht akute Lebensgefahr.

Während dieses Kampfes auf der Intensivstation, der mehrere Tage oder sogar Wochen dauern kann, wird der Patient meist in ein künstliches Koma versetzt. Dies geschieht zur Unterstützung der Therapie und zum Schutz des Patienten. Viele Patienten berichten allerdings häufig von schlimmen Alpträumen während des künstlichen Komas. Vor allem für ältere Menschen und bei schweren Krankheitsverläufen bleibt der Überlebenskampf gegen die Sepsis meist nicht ohne Folgen.

Zwei Aerzte im OP

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Auch nach dem Aufwachen geht der Kampf weiter

Viele Patienten sind nach dem Aufwachen aus einem mehrwöchentlichen künstlichen Koma zunächst komplett bewegungsunfähig. Schon die Entwöhnung von der künstlichen Beatmung, die während der Therapie erforderlich ist, benötigt Zeit und Willenskraft. Jede einzelne Bewegung des Körpers muss mühsam wieder erlernt werden, geschädigte Organe müssen langsam wieder ihre Funktionsfähigkeit gewinnen.

Nicht selten sind durch die Sauerstoff-Unterversorgung während der Sepsis periphere Gliedmaßen so stark beschädigt, dass das Gewebe abstirbt und operativ entfernt werden muss (Nekrosen). Dies kann zur Amputation von Fingerkuppen oder Fußzehen führen, aber auch ganze Gliedmaßen betreffen. Noch häufiger jedoch sind Langzeitfolgen, deren Ursachen sich nicht immer eindeutig bestimmen lassen. Dazu gehören Gewichts- und Leistungsverlust, Müdigkeit, Kopfweh oder Gelenk- und Muskelschmerzen. Auch kognitive Störungen sind nicht selten. So leiden viele Sepsis-Überlebende unter Konzentrationsschwäche, Gedächtnisverlust, Taubheit und Lähmungen. Es wird angenommen, dass während der Sepsis auftretende Schädigungen von Neuronen durch Toxine, Blutdruckabfall oder den Übertritt entzündlicher Stoffe in das Gehirn für diese Langzeitfolgen verantwortlich sind.

Ähnlich wie Opfer von Gewalt, Krieg und Naturkatastrophen sind auch Sepsis-Überlebende in manchen Fällen von einem post-traumatischen Belastungssyndrom betroffen und leiden unter Angstzuständen, Halluzinationen und Albträumen, die den Überlebenskampf während der Intensivtherapie widerspiegeln.

Nach der Sepsis: Teils schwere Folgeschäden sind die Regel

Viele dieser Folgeschäden sind chronischer Natur und begleiten Betroffene über einen langen Zeitraum, manchmal ein Leben lang – und machen einen normalen Alltag oder das Arbeitsleben oft sehr schwierig.

Monatelange Reha-Aufenthalte sind die Folge. Obwohl Sepsis eine der Hauptursachen für rehaintensive Langzeiterkrankungen ist, sind nur die wenigsten Kliniken auf Sepsis-Patienten eingestellt. Entsprechend erkennen viele Ärzte Sepsis spezifische Beschwerden der Überlebenden nicht, bringen teilweise wenig Verständnis für sie auf und wissen zu wenig über die möglichen physiologischen und psychischen Probleme, die Sepsis-Überlebende betreffen können. Auch Krankenkassen und Berufsgenossenschaften tun sich oft schwer. Da sich die Folgeschäden häufig nicht einfach in einen definierten Leistungskatalog einordnen lassen, müssen Betroffene sich mühsam die Anerkennung ihrer Ansprüche erkämpfen. Für viele ist dies nicht nur eine zusätzliche psychische Belastung, sondern durch den Wegfall oder die Einschränkung der Erwerbsfähigkeit auch eine große finanzielle Herausforderung.

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