Sepsis verursacht großes Leid für Betroffene

– und erhebliche Kosten im deutschen Gesundheitssystem

Die Zahl der Sepsisfälle und der durch Sepsis bedingten Krankheitslast wurde in Deutschland im Rahmen des Internationalen Krankheitsklassifikation-Systems (ICD) durch Unterkodierung lange Zeit erheblich unterschätzt. Seit 2007 stieg die Zahl der Sepsisfälle auf der Basis der im ICD-System festgelegten Sepsiskodierungen, die von den 118. Deutscher Ärztetag Frankfurt, 12.05. – 15.05.2015 Ärztetags-Drucksache Nr. VI-85 Seite 2 von 2 deutschen Krankenhäusern an das Statistische Bundesamt bzw. an das Institut für Entgeltsysteme im Krankenhaus (INEK) gemeldet werden, kontinuierlich an. Im Jahr 2013 waren es 252.000 Fälle. Bei einem Anstieg der Krankenhaussterblichkeit von 28,6 Prozent auf 30,2 Prozent in diesen Zeitraum bedeutet dies für 2013 allein 77.174 Todesfälle. Für das Jahr 2013 führen diese Zahlen zu geschätzten Behandlungskosten von 7,7 bis 9,2 Milliarden Euro.

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Todesfälle durch Sepsis im Jahr 2013
Ein Krankenbett in Nahaufnahme

Der Anstieg der Sepsisfälle betrifft zu etwa gleichen Anteilen sowohl die ambulant wie die im Krankenhaus auftretenden Sepsisfälle. Die Einweisungen ins Krankenhaus von Patienten mit Sepsis übersteigt inzwischen die Einweisungen aufgrund von Herzinfarkt oder Schlaganfall um den Faktor 2 bis 3.

Die Zahl der Sepsisfälle wird in der Zukunft aufgrund der demografischen Entwicklung weiter steigen, da die vermehrte Inanspruchnahme invasiver oder operativer Behandlungen bei älteren oder multimorbiden Patienten mit einer Schwächung des Immunsystems und damit einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen einhergehen. Sepsis wird so in vielen Bereichen der Medizin zu einem Hemmschuh für den medizinischen Fortschritt. Trotzdem ist der Begriff Sepsis derzeit bei weniger als 50 Prozent der Bürgerinnen und Bürger bekannt. Dieser Entwicklung erfolgreich entgegenzuwirken, erfordert neben Aufklärung eine wesentlich stärkere Umsetzung aller geeigneten Maßnahmen zur Sepsisprävention und Reduzierung der Sepsissterblichkeit, als dies derzeit der Fall ist.

Der 118. Deutsche Ärztetag 2015 fordert eine verstärkte Aufklärung der Öffentlichkeit, der Ärzteschaft und des medizinischen Assistenzpersonals über die Möglichkeiten zur Prävention und Früherkennung von schweren Infektionen und Sepsis.


Für folgende Maßnahmen konnte gezeigt werden, dass sie zu einer erheblichen Reduzierung der sepsisbedingten Krankheitslast führen:

  • Impfungen. Da sich Sepsis aus sich nahezu jeder akuten Infektion entwickeln kann, lassen sich durch Impfungen von Risikopopulationen gegen Influenza, Pneumokokken, Hämophilus Influenza und Meningokokken jährlich tausende Sepsistodesfälle verhindern.
  • Hygiene. Durch die strikte Einhaltung von Hygienemaßnahmen sind in deutschen Krankenhäusern jährlich ca. 1.500 bis 4.500 Sepsistodesfälle vermeidbar.
  • Früherkennung und -behandlung. Die Sepsisdiagnose wird derzeit häufig verzögert gestellt. Durch Frühdiagnose und -therapie lässt sich die Sepsissterblichkeit um etwa die Hälfte senken.
  • Stopp des unsachgemäßen Einsatzes von Antibiotika in der Medizin, Landwirtschaft und Tierzucht.

Das Memorandum für einen Nationalen Aktionsplan gegen Sepsis wird u. a. von den Ärztekammern Berlin, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Thüringen und Westfalen-Lippe, dem Ärztlichen Kreis- und Bezirksverband München sowie von 14 wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften unterstützt (Liste der Unterzeichner).